Ensemble intercontemporain & George Jackson – Steve Reich/Richter (Releasedate: 10.06.2022)

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Ensemble intercontemporain & George Jackson – Steve Reich/Richter (Releasedate: 10.06.2022)

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Mehrere hundert Male wurde „Reich/Richter“ bereits live gezeigt, nun hat Nonesuch Records die erstmalige Veröffentlichung einer Aufnahme von Steve Reichs Komposition für den 10. Juni 2022 bekannt gegeben, eingespielt vom Ensemble intercontemporain unter dem Dirigat von George Jackson, den man u.a. durch seine Gastspiele an der Hamburgischen Staatsoper kennt. Die Komposition wurde ursprünglich geschrieben, um begleitend zum Film Moving Picture (946-3) aufgeführt zu werden, einer Kollaboration zwischen Gerhard Richter und der Filmemacherin Corinna Belz.

In dem Clip geht der Grammy- und Pulitzer-Preisträger unter anderem auf Richters Buch „Patterns“ ein, das als Arbeitsgrundlage für den Film diente: „Den Anfang bildet eines seiner abstrakten Gemälde aus den 90er-Jahren. Er scannte ein Foto davon in einen Computer ein und schnitt dann den Scan in zwei Hälften, teilte diese Hälften erneut und drehte zwei der vier Viertel spiegelbildlich. Dann wiederholte er diesen Prozess des ‚Teilens, Spiegelns, Wiederholens‘ von der Hälfte über das Viertel, das Achtel, das Sechzehntel, das Zweiunddreißigstel bis hin zum 4096stel. Das Ende der Geschichte ist, dass man von einem abstrakten Gemälde zu einer Abfolge immer kleinerer menschenähnlicher ‚Kreaturen‘ kommt (da die Spiegelung eine beidseitige Symmetrie erzeugt) und dann zu immer noch kleineren, sehr feinen Streifen.“

Zur Rolle von Corinna Belz sagt Reich, sie habe den Film „in Form von ‚Pixeln‘ erzählt. Er beginnt mit Zwei-‚pixeligen‘-Streifen und die Musik setzt mit einem oszillierenden Schema aus zwei Sechzehntelnoten ein. Als der Film auf vier ‚Pixel‘ wechselt, schaltet die Musik in eine Abfolge aus vier Sechzehntelnoten, dann acht und sechzehn“, so der Komponist. „Danach begann ich, längere Notenwerte einzuführen – zunächst Achtelnoten, später dann Viertelnoten. In der Mitte des Films, wenn die Bilder von 512 auf 1064 Pixel wechseln, verlangsamt sich die Musik auf punktierte halbe Noten. Und wenn sich zum Ende hin die Anzahl der ‚Pixel‘ immer mehr auflöst, geht die Musik wieder zu schnelleren Achtelnoten über und mündet schließlich in einer sehr intensiven, temporeichen Sechzehntelbewegung.“

„Reich/Richter“ kam zuerst 2019 im The Shed in New York zur Aufführung, wo es über einhundert Mal gegeben wurde. In der Folge wurde die Komposition im Barbican in London vom weltbekannten Ensemble Britten Sinfonia unter der Leitung von Colin Currie aufgeführt und anschließend in der Pariser Philharmonie, wo auch diese Aufnahme entstand. Am 8. September kann man sich auf eine Aufführung von „Reich/Richter“ im Szentrum, Silbersaal im österreichischen Schwaz freuen, gespielt vom österreichischen Ensemble Windkraft Tirol unter der Leitung von Kasper de Roo. Für den 1. April 2023 ist eine Aufführung in Begleitung von Richter und Belz’ Film in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles angesetzt, hier von der LA Phil New Music Group unter der Leitung von Brad Lubman.

Nonesuch kann nicht ohne Stolz sagen, dass es seit 1985 jedes neue Werk von Steve Reich aufgenommen hat, angefangen mit „The Desert Music“ bis hin zu „Pulse/Quartet“ im Jahr 2018. Ein Gutteil der insgesamt 22 Alben ist auch als Teil der beiden Boxsets „Phases“ (2006) und „Works: 1965-1995“ (1997) erhältlich, 2023 wird das Label seine gesammelten Werke veröffentlichen.

Just im vergangenen Monat veröffentlicht Reich außerdem ein Buch, „Conversations“, das Gespräche mit bisherigen Kreativpartner:innen, Komponist:innen, Musiker:innen und bildenden Künstler:innen enthält, die von seiner Arbeit beeinflusst wurden, darunter David Lang, Brian Eno, Richard Serra, Michael Gordon, Michael Tilson Thomas, Russell Hartenberger, Robert Hurwitz, Stephen Sondheim, Jonny Greenwood, David Harrington, Elizabeth Lim-Dutton, David Robertson, Micaela Haslam, Anne Teresa de Keersmaeker, Julia Wolfe, Nico Muhly, Beryl Korot, Colin Currie und Brad Lubman. Booklist schrieb in seiner Rezension: „Der bilderstürmerische amerikanische Komponist Steve Reich ist schon für sich genommen einzigartig. Wenn er sich dann auch noch mit anderen ebenso bilderstürmerischen Komponist:innen, Dirigent:innen, Bildhauer:innen, Musiker:innen, Schlagzeuger:innen und Videokünstler:innen unterhält, sprühen die Funken nicht nur, sie blitzen… Reich und seine Weggefährt:innen führen faszinierende Gedankenwechsel, bei denen sie Geschichten, kreative Ansätze und Standpunkte teilen… Reichs ‚Conversations‘ ist die denkbar beste Art, Mäuschen zu spielen”.

 

Über Steve Reich:

Steve Reich, den der New Yorker „den originellsten musikalischen Denker unserer Zeit“ genannt hat und die New York Times zu „einem der großen Komponisten des Jahrhunderts“ zählt, hat Komponist:innen und Mainstream-Musiker:innen auf der ganzen Welt beeinflusst. Für „Music for 18 Musicians“ und „Different Trains“ wurde er mit einem Grammy ausgezeichnet, seine Komposition „Double Sextet“ erhielt 2009 den Pulitzer-Preis. Reichs dokumentarische Video-Opernarbeiten „The Cave und Three Tales“ mit der Videokünstlerin Beryl Korot wurden auf vier Kontinenten aufgeführt. Seine jüngste Arbeit „Quartet“ für den Perkussionisten Colin Currie wurde bei zwei aufeinanderfolgenden, ausverkauften Konzerten in der Queen Elizabeth Hall in London gegeben, kurz nachdem Zehntausende beim Glastonbury Festival Jonny Greenwood (Radiohead) dabei zuhörten, wie er Reichs „Electric Counterpoint“ und anschließend seine „Music for 18 Musicians“ zusammen mit dem London Sinfonietta performte.

2012 wurde Reich von der American Academy of Arts and Letters mit der „Gold Medal in Music“ ausgezeichnet. Daneben empfing Reich Ehrungen wie den Praemium Imperiale in Tokio, den Polar Music Prize in Stockholm, den BBVA Award in Madrid und dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig. Er wurde in Frankreich zum Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres ernannt und erhielt zahlreiche Ehrendoktorwürden, u. a. vom Royal College of Music in London, der Juilliard School und der Liszt-Akademie in Budapest. „Es gibt nur eine Handvoll lebender Komponisten, die mit Recht behaupten können, den Gang der Musikgeschichte beeinflusst zu haben, und Steve Reich ist einer von ihnen“, schreibt der Guardian.

 

Über das Ensemble intercontemporain:

Pierre Boulez gründete das Ensemble intercontemporain 1976 mit der Unterstützung des damaligen französischen Kulturministers Michel Guy und dem Zutun von Nicholas Snowman. Die einunddreißig Solist:innen des Ensembles, das in der Cité de la musique-Philharmonie de Paris ansässig ist, teilen eine Leidenschaft für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Unter der künstlerischen Leitung des deutschen Komponisten und Dirigenten Matthias Pintscher arbeiten die Musiker:innen eng mit Komponist:innen zusammen, erforschen instrumentale Techniken und entwickeln Projekte, die Musik, Tanz, Theater, Film, Video und bildende Kunst miteinander verbinden. In Zusammenarbeit mit dem IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) ist das Ensemble intercontemporain auch auf dem Gebiet der synthetischen Klangerzeugung tätig. Regelmäßig werden neue Stücke in Auftrag gegeben, aufgeführt und aufgenommen, in Frankreich ebenso wie im Rest der Welt, u.a. bei den großen Festivals des Genres.

Der Brite George Jackson, Preisträger des Aspen Conducting Prize 2015, machte auf sich aufmerksam, nachdem er kurzfristig für Daniel Harding beim Orchestre de Paris eingesprungen war. Zu den jüngsten Höhepunkten zählen die Leitung des Ensemble intercontemporain beim Festival Romaeuropa, dem Rainy Days Festival in Luxemburg und dem Festival D’Automne in Paris sowie die Leitung des RTÉ National Symphony Orchestra, des Orchesters der Opéra de Rouen und der Uraufführung von Tscho Theissings „Genia“ am Theater an der Wien. Seine vielfältige Opernerfahrung umfasst Gastspiele an der Opera North, der Hamburgischen Staatsoper und der Opera Holland Park, außerdem führte er Regie bei einer neuen Produktion von „Hänsel und Gretel“ an der Grange Park Opera im britischen Surrey.

 

„Reichs music … expands from minimalist austerity to more full-bodied passages and back again. Reminiscent of his earliest work, it is very beautiful.” —Financial Times

„The music has tender energy, and an undercurrent of melancholy. Its droning tones sometimes seem to be pulling apart—like taffy, or like Richter’s stretching spaghetti stripes of color.” —New York Times

 

 

http://www.nonesuch.com/artists/steve-reich
http://stevereich.com/