Paolo Morello – Sambop (Releasedate: 20.04.2018)

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Paolo Morello – Sambop (Releasedate: 20.04.2018)

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“Sambop by Paulo Morello‘s Brazilian Quartet is the absolute REAL DEAL! It‘s burning and swinging from the very first note with some beautiful soulful ballads, too – to break up the ‚burn‘ … you‘ll love this! I‘ve toured with Paulo a lot the past few years with the B3 Organ trio ‚Hammond Eggs‘ which is more in Bebop/Funk mode, so this is yet another side of Paulo‘s music … he sure has a lot of bases covered … didn’t realize he has a Brazilian heart!“
Randy Brecker

„Ein Typ mit einer Gibson L5, der für sein Leben gern Jazz und brasilianische Musik spielt.“ Mit diesen Worten hat sich Paulo Morello vor einigen Jahren in einem Interview selbst beschrieben.

Genauso klar und direkt hat Morello sein neues Album betitelt. Es heißt Sambop und in der Verschmelzung zweier Begriffe, von denen der eine für die Kernstilistik des modernen Jazz und der andere für die wichtigste Form und den prägendsten Rhythmus der brasilianischen Musik steht, steckt das ganze musikalisch-künstlerische Konzept dieses Albums und seiner Titelnummer: Samba und Bop treffen nicht aufeinander, nein Morello und seine drei ebenbürtigen Musiker verschmelzen jazzigen Bop und die Rhythmus-, Formen- und Stimmungsvielfalt der brasilianischen Musik zu etwas Ganzem, zu etwas Schönem, zu etwas Neuem.

Gerade so, als ob auf der halbakustischen Jazzgitarre schon immer Samba und Choro gespielt wurden. Gerade so, als ob Duke Ellington sein „I’m Just A Lucky So and So“ als funky Baião konzipiert hätte. Wenn die Musiker als Ausgangpunkt einen Jazzstandard wählen, dann wird dieser rhythmisch ‚brasilianisiert‘. Und umgekehrt: Wenn sie einen Choro wie “Nosso Amigo Esmé” interpretieren, dann soliert Morello darüber so boppig und jazzig als ob brasilianische Choros schon immer Teil des Jazzrepertoires von Vorbildern und Einflüssen wie Wes Montgomery, George Benson und Pat Martino gewesen wären.

Morello und seine Mitmusiker tun dies unter intuitiver Berücksichtigung all jener Qualitäten, die den Jazzund die brasilianische Musik unverwechselbar und stark machen: Mit der federnden Leichtigkeit, die Musik aus Brasilien zu eigen ist. Mit der Raffinesse, der Intensität und dem Speed des Jazz. Und mit einer selbstverständlich virtuosen, freudig-flüssigen Lockerheit des Musizierens, die nur jenen gelingt, die auf dem Instrument und den Genres ihrer Wahl absolute Könner sind.

Paulo Morello hat für Sambop nämlich eine erlesene Band zusammen gestellt. Lula Galvão (geb. 1962), der Stargast aus Brasilien an der akustischen Gitarre, zählt zu den Meistern seines Fachs, der schon für Caetano Veloso, Rosa Passos, Ivan Lins, Guinga gezupft hat. Dass er auf dem Album nicht nur als Begleiter, sondern als ebenbürtiger Partner fungiert, wird besonders bei den Duetten (z. B. Jacob do Bandolims “Migalhas De Amor” oder Cole Porters “You’d Be So Nice To Come Home To”) und Balladen (z. B. “Indeciso”) deutlich – Stücken voller Saudade, jener spezifisch brasilianischen Form der wohlig-melancholischen Sehnsucht, die sich vielleicht nur musikalisch wirklich einfangen und ausdrücken lässt. Besonders reizvoll: der wunderbar transparente, niemals schwammige Zusammenklang von Nylonsaiten- und halbakustischer Gitarre.

Für den rhythmischen Drive sorgen Eduardo “Dudu” Penz am E-Bass und Mauro Martins am Schlagzeug – zwei in der Schweiz lebende Brasilianer, für Paulo Morello “die beste brasilianische Rhythmusgruppe in ganz Europa”, mit der er seit über 15 Jahren regelmäßig spielt. Dudu Penz bereichert seine Soli mit Scat-Gesang, mit dem er seine Bassläufe unterlegt. Mauro Martins klingt mal wie eine ganze Sambatruppe wie beim Intro zu “Sambop”, dann wieder so feinfühlig als ob er nurein Pandeiro, das brasilianische Tambourine, schlagen würde.

Morello selbst (geb. 1970) spielt brasilianische Musik beinahe so lang wie er Jazz spielt. Er spielt sie so gut, so gekonnt und so authentisch wie wahrscheinlich kein zweiter Jazzgitarrist in Europa. Angefangen hat seine Leidenschaft für diese Musik vor 23 Jahren, als er in New York an der renommierten New School studierte. Als er das dort regelmäßig auftretende Trio da Paz mit Romero Lubambo (Gitarre), Nilson Matta (Bass) und Duduka Da Fonseca (Schlagzeug) hörte, war es um ihn geschehen: Der brasilianischen Musik in ihren zahllosen Spielarten galt fortan sein Interesse, sein Fleiß, seine Leidenschaft. Im Jahr 2000 verbrachte er mehrere Monate in Rio de Janeiro und knüpfte Kontakte, die er in den Folgejahren in Tourneen und Aufnahmen u. a. mit den Bossa Nova-Legenden Johnny Alf, Alaide Costa, Leny Andrade und dem Schlagzeuger Erivelton Silva (Bandkollege von Lula Galvão bei Rosa Passos!) fortführte.

Enstanden ist das neue Album im August 2017 im renommierten Hansahaus Studio in Bonn. Und auch wenn es sich nicht so anhört: Zum ersten Mal getroffen hatten sich die beiden Gitarristen erst drei Tage vor dem Studiotermin über eine gemeinsame Bekannte, die Kölner Sängerin Ulla Haesen, die die beiden zusammenbrachte, weil sie wusste, dass in der Begegnung der beiden Musik liegt. Großartige Musik, von der man gar nicht richtig sagen kann, ob das jetzt eher Samba oder eher jazziger Bop ist. Es ist beides zugleich, nämlich Sambop. Und das ist wahrscheinlich das größte und treffendste Kompliment, das man diesem wunderbaren Album machen kann.