Indra Rios-Moore – Carry My Heart (Releasedate 23.03.2018)

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Indra Rios-Moore – Carry My Heart (Releasedate 23.03.2018)

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So sorgsam Indra Rios-Moore auch an die Instandsetzung der Seele appelliert, ist ihr neues
Album „„Carry My Heart““ doch ein Protestalbum. Die Sängerin aus New York, deren
Lebensmittelpunkt inzwischen in Barcelona liegt, fand allerdings in ihren Jugendjahren nicht
zum Jazz, um musikalische oder soziale Gesetzmäßigkeiten aus den Angeln zu heben. Ihre
Jazz-Auffassung ist seit jeher von emotivem Gospel, erdigem Blues-Verständnis und den
Popmusik-Befindlichkeiten großer Helden wie Steely Dan geprägt. Jazz definierte in seiner
dialogisierenden Spielweise ihre Adoleszenz. Dass er sich, wie jede andere Kunstform auch,
zum Polarisieren eignete, war der Tochter des Jazzbassisten Don Moore zunächst nicht
bewusst. Sämtliche Musikspielarten, denen sie lauschte, ergaben ein einziges Kontinuum.
Ästhetische und politische Merkmale, die seit Jahrzehnten als Grundlagen für Debatten über
Musik genutzt werden, interessieren sie indes nach wie vor nicht. Deshalb ist „Carry My
Heart“ dem raumfüllenden, sorgsam aufgezeichneten Klang akustischer Instrumente und der
Schönheit Indra Rios-Moores Gesangs zugewandt. Zumindest in der vordergründigen
Wahrnehmung. Aber das Album appelliert zusätzlich noch an eine andere Ebene des
Bewusstseins. Eine, die ursprünglich gar nicht vorgesehen war, wie Rios-Moore erinnert.

„„Mein Vorhaben war im Sommer 2016, ein optimistisches Album aufzunehmen. Im
Plattengeschäft wird unentwegt gejammert, weil keiner mehr Geld mit Musik verdient. Mir
schwebte vor, diesem kollektiven Lamento etwas Fröhliches entgegenzusetzen. Während
dieser Zeit schrieb ich den Titelsong ‚Carry My Heart‘ vor dem Hintergrund der vielen
Menschen die vor Kriegen und Armut nach Europa flüchteten und der avisierte Optimismus
wurde zum schweren Mut. Und dann wurde Trump zum US-Präsidenten gewählt, woraufhin
sich mein Vorhaben endgültig veränderte. Zunächst Richtung Ohnmacht.“

Die Ohnmacht verflüchtigte sich einen Tag nach der US-Präsidentschaftswahl, nachdem Rios-
Moore enttäuscht und furchtsam durch die Straßen einer Kleinstadt im US-Bundesstaat
Connecticut spazierte. Ein alter, farbiger Mann stand unvermittelt vor ihr, blickte in ihr
Gesicht, umarmte und tröstete sie mit dem Worten: „„Gräme dich nicht allzu sehr. Alles wird
sich zum Guten wenden, denn wir haben Schlimmeres überstanden als den Präsidenten
Trump.“ Diese lebensbejahende Begegnung revitalisierte die kurzzeitig paralysierten
Kreativgeister Rios-Moores. „“Für mich als farbige Frau mit Latino-DNA im Blut, war der
Wahlausgang ein Schlag ins Gesicht. Jahrzehntelange Kämpfe für Gleichberechtigung von
Frauen, Afroamerikanern, Schwulen und allen Unangepassten, die nicht auf Linie zum
amerikanischen Durchschnitt lebten, schienen und scheinen angesichts Trumps
polarisierenden Weltsicht umsonst gekämpft worden zu sein““, sagt Rios-Moore. „„Be Mine!““,
ein Song der schwedischen Pop-Sängerin und -Produzentin Robyn lockte Indra schließlich auf
die Fährte, ihr neues Album als Gegenentwurf zur politischen Realität Amerikas zu
dimensionieren. „Ich stand in der Dusche, sang diesen Song von Robyn und stellte mir vor,
mit der US-Nationalallegorie Uncle Sam zu tanzen. Instantan verglich ich Amerika mit einem
großen, aber schrecklichen Boyfriend. ‚“`Any Major Dude´‘ von Steely Dan kam mir als nächster
Song in den Sinn. Er erzählt von Unsicherheit, die zum Wahnsinn führt. Eine perfekte
Beschreibung des momentanen Zustands der amerikanischen Seele, wie ich fand.““
Wie wenig Songs von ihren ursprünglichen Aufnahme-Umfeldern abhängig sind, um ihre
Schönheiten neu zu entfalten, unterstreicht die durchdachte Koordination der 11
unterschiedlichen Stücke auf „“Carry My Heart““. Neben zwei Kompositionen aus der Feder
Rios-Moores, erleben unter anderem „“Keep On Pushing““ von Curtis Mayfield and the
Impressions, „“Don’t Say Good Night““ von den Isley Brothers und Bobby Caldwells „“What You
Won’t Do For Love““ zwischen Songs von Steely Dan, Robyn, George Gershwin und Duke
Ellington einladende, zusammenhängende Neudeutungen. Deren geschmackvolle
Arrangements klingen zwar überaus feinjustiert und bedächtig gewählt. Sie sind aber vor
allem das Resultat des Bandsounds, den Indra Rios-Moore mit ihrem Ehemann und
Saxofonisten Benjamin Traerup, Bassist Thomas Sejthen, Schlagzeuger Knuth Finsrud und
Gitarrist Samuel Hallkvist fand. Aufs Wesentliche reduziert, räumen die Arrangements der
beseelten Stimme Rios-Moore sattsam Platz zum buchstäblichen Atmen ein. In ihrer Essenz
besitzen sämtliche der „“Carry My Heart““-Ingredienzien beispielhafte Qualität. Darin liegt auch
der Protest begründet, der zwischen den Zeilen und Noten aufblitzt. „“Wir erleben eine Zeit
entsetzlicher politischer und persönlicher Beliebigkeiten“, unterstreicht Rios-Moore. „Der
Präsident meines Landes regiert Amerika nicht nur mit spaltender Hand, sondern auch mit
unfassbarem Kitsch. Man schaue sich nur die Leute in seinem Umfeld an. Oder die Gebäude,
die ihm in New York gehören. Die zeugen von vollkommen überzogenem Schein. Etwas
qualitativ Hochwertiges dagegenzusetzen, war mir ein imminentes Bedürfnis. Ich hoffe, dass
‚Carry My Heart‘ mit Qualität und Sentiment berührt und zum Luftholen in einer Realität
anregt, in der die Schattenwelt des Geldes unsere Menschlichkeit redundant zeichnet.““

Tourdaten:
20.04.2018 St. Ingbert – Jazz Festival
01.05.2018 München – Unterfahrt
02.05.2018 Berlin – A-Trane
03.05.2018 Frankfurt – Brotfabrik
04.05.2018 Wolfsburg – Movimentos Festival
13.07.2018 Stuttgart – Jazz Open
02.08.2018 Lörrach – Stimmen Festival
– weitere Termine sind in Planung –