Priscilla Ahn – A Good Day

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Priscilla Ahn – A Good Day

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(Blue Note; VÖ: 08.05.09). Blue Note hat in den letzten Jahren ein ausgezeichnetes Gespür bewiesen, wenn es darum ging, Singer/Songwriter unter Vertrag zu nehmen, die sich schon bald einer hohen Reputation in der internationalen Musikszene erfreuen durften. Die Liste reicht von Norah Jones und Stacey Kent bis Amos Lee und Richard Julian. Mit der 24-jährigen Priscilla Ahn kommt nun eine weitere Künstlerin hinzu, deren kompositorische Kunst von ebenso kristalliner Schönheit ist wie ihre aparte Stimme. Ihr nun auch in Deutschland erscheinendes Debütalbum „A Good Day“ ist geprägt von beeindruckend ausgereiften Songs im Spannungsfeld von Folk, Country und Pop. Über welch hinreißenden melodischen Instinkt Priscilla Ahn verfügt, wird mit jedem ihrer Songs deutlich – beginnend mit dem zauberhaften „Dream“. Hinzu kommen ihre anmutige Schönheit und eine natürliche Ausstrahlung, von der man schnell gefangen genommen wird. Mit „A Good Day“ zieht ein hell strahlender Stern übers Firmament traditionsbewusster Songwriter. A rising star with a special twist.

Die folgenreichste Entscheidung, die Priscilla Ahn in ihrer jungen Karriere bisher getroffen hat, war, dem Rat ihres Musiklehrers zu folgen – der ihr Talent erkannt und sichtlich hoch geschätzt haben muss – statt aufs College zu gehen und Musik zu studieren, lieber gleich eine Karriere als Songwriterin anzustreben. Dabei hatte Priscilla erst mit 14 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen – gefördert von ihrem Dad, einem Fan von Rockmusik. Mit 16 Jahren folgten erste kleine Auftritte bei sogenannten Open-Mic-Abenden. Doch erst als sie eines Tages von Freunden in ein Aufnahmestudio mitgenommen wurde, nahm ihr Leben eine neue Wende.

Im besagten Studio in Philadelphia nahm kein Geringerer als Amos Lee gerade seine erste EP auf und auch dort wurde ihr Talent schnell erkannt. Sie bekam eine Praktikumsstelle in dem Studio und lernte so Lees Produzenten Barry Maguire kennen. Sowohl Amos Lee (auf dessen Album Supply And Demand Ahn gastierte) als auch Barry Maguire sind seither Fans von Ahn und letztgenannter lud sie schließlich ein, ihn mit den anderen Musikern des Studios nach Los Angeles zu begleiten. So packte Priscilla ihre sieben Sachen – „zwei Gitarren, meine Klamotten und einigen Kram, den ich eigentlich nicht wirklich brauchte“ – und brach frohgemut Richtung Kalifornien auf. „Ich war zum ersten Mal in Los Angeles und war direkt in die Stadt verliebt. Es schien genau das Richtige für mich zu sein. Meine Mum hatte entfernte koreanische Verwandte, bei denen ich zunächst unterkommen konnte.“

Schnell sicherte sich Priscilla Ahn die ersten Gigs, spielte bei jeder sich bietenden Gelegenheit in winzigen Clubs und Cafés. Nebenbei verdingte sie sich als Kellnerin – ein Job, bei dem sie sich durchbeißen musste, um nicht den Draht zu ihren Songs zu verlieren – und traf bei einem Konzert im Hotel Café (eine erste Adresse für Open-Mic-Nächte) auf den Songwriter Joshua Radin, den sie auf seiner Tournee begleitete. Während eines Konzerts mit Radin lernte sie den Schlagzeuger und Produzenten Joey Waronker kennen, der schon mit Künstlern wie Beck und R.E.M., Nelly Furtado und Rickie Lee Jones gearbeitet hat. Waronker lud Ahn in sein Studio ein, wo 2006 die erste EP mit eigenen Songs entstand: „Dream“ und „I Don’t Think So“ haben es schließlich auch auf „A Good Day“ geschafft.

„Irgendwann ist mir zu Ohren gekommen, dass Amos den Leuten von Blue Note ständig erzählt hat, sie sollen mich im Auge behalten. So kam der A&R-Typ von Amos zu mir und wir haben einen Showcase vereinbart. Ich flog nach New York und alles lief ganz gut. Ich hatte mich auch mit anderen Plattenfirmen getroffen, aber das war alles nicht das, was mich wirklich interessiert hat. Ich wollte eigentlich immer nur meine eigene Musik machen. Ich habe mir oft gesagt, wenn ich mir eine Plattenfirma aussuchen könnte, wäre das Blue Note. Als es dann am Ende geklappt hat, war ich natürlich denkbar glücklich.“

Für die Aufnahmen zu „A Good Day“, dem avisierten Blue-Note-Debüt, bildete Priscilla zunächst ein Kerntrio, das aus ihr selbst, dem Schlagzeuger Joey Waronker – der auch das Album produzierte – sowie dem Multi-Instrumentalisten Gus Seyffert bestand. „Gus spielte Bass oder Gitarre, ich spielte Gitarre und sang, Joey spielte Schlagzeug“, erklärt Ahn. „Nachdem wir erst einmal das Fundament für die meistens Songs stehen hatten, fügten wir noch Overdubs mit skurillen Sounds hinzu. Nach einem Monat entschlossen wir uns, noch einige Musiker hinzuzuziehen und die Songs um neue Sounds zu bereichern.“

Zu den Gästen, deren Mitwirkung den Songs markante Akzente verliehen haben, gehören die Keyboarder Greg Kurstin (the bird and the bee, Lily Allen), Keefus Ciancia (Fiona Apple, Cassandra Wilson, T-Bone Burnett) und Zac Rae (Fiona Apple, Macy Gray), der Gitarrist und Filmkomponist Mike Andrews (Me and You and Everyone We Know), Ursula Knudsun an der singenden Säge, der Cellist und Arrangeur Oliver Kraus (Joshua Radin, Beth Orton, Liz Phair), der renommierte Jazzpianist Larry Goldings sowie die Session-Sänger Jim Gilstrap und Orin Waters, die den Folk-Gospel „Leave The Light On“ noch erhabener klingen lassen. Ahn selbst spielt neben Gitarre und ihrer Mundharmonika noch eine ganze Reihe anderer Instrumente wie Piano, Cembalo, Ukulele, Autoharp (Zither) und Glockenspiel.

Auch wenn diese Liste reichhaltig erscheint, erfüllt das Album in jedem Moment Waronkers Anspruch von schlichter Eleganz. Im Vordergrund respektive Mittelpunkt steht Ahns makellose Stimme, die sie – eine Spezialität der Künstlerin – sowohl im Studio als auch bei Konzerten mittels einer Loop-Maschine multipliziert, wobei Vokalschichten von entrückt wirkender Pracht entstehen. Von den elf Songs ihres Debütalbums hat Ahn acht ganz allein geschrieben, wobei „Dream“, „Wallflower“ und „I Don’t Think So“ zu ihren Paradestücken zahlen. „Astronaut“, ein Space-Walzer, der entfernt an den Wings-Klassiker “Mull Of Kintyre“ erinnert, entstand in Zusammenarbeit mit Gus Seyffert. Und die beiden Coverversionen „Masters In China“ von Benji Hughes und „Opportunity To Cry“ von Willie Nelson vervollständigen dieses in sich geschlossene Glanzstück eines Albums geradezu perfekt.

Die Leichtigkeit von Songs wie „I Don’t Think So“ und „Find My Way Back Home“ scheint ihr Flügel zu verleihen, ihr Harmonikaspiel verziert die Songs mit sanftem Dylan-Flair. „Dream“ wiederum hat sich als denkbar schönste musikalische Visitenkarte der Künstlerin entpuppt. Den erlesenen Song spielte sie im letzten Jahr nicht nur in der Tonight Show with Jay Leno, er kam auch in den Fernsehserien Grey’s Anatomy und Ghost Whisperer sowie in dem Soundtrack von Disturbia zum Einsatz. Und „I Don’t Think So“ reüssierte vor kurzem in der Neuauflage von Knight Rider. Die Ankunft in der amerikanischen Populärkultur ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass Ahns glänzende Karriere Fahrt aufgenommen hat. In diesen Tagen gibt Priscilla Ahn ihre ersten Gastspiele in Europa. Man sollte sich diese aparte Erscheinung nicht entgehen lassen. A highly recommended date for a really good day!

Tourdaten (Tickets: 10.- € im VVK zzgl. Gebühren)
20.04.2009 HAMBURG PRINZENBAR
27.04.2009 KÖLN STUDIO 672