Bill Petry – Close Your Eyes (Releasedate: 24.05.2024)

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Bill Petry – Close Your Eyes (Releasedate: 24.05.2024)

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Close Your Eyes“ – der Titel, den der Jazztrompeter Bill Petry seinem Debütalbum gegeben hat, lässt sich als Gebrauchsanweisung lesen: Man höre diese Musik als Angebot zum Innehalten, zur Entschleunigung, zur Selbstvergewisserung in Zeiten von Unsicherheit, Krisen und hektischem Alltag. Nicht Augen zu und durch, vielmehr Augen schließen und sich auf die Ruhe einlassen, die dieser Musik eigen ist.

You can Close Your Eyes, der Song, den James Taylor vor mehr als einem halben Jahrhundert schrieb und den er selbst einmal als “Secular Hymn” bezeichnet hat, steht beispielhaft für eine Stimmung, die sich durch das gesamte Album zieht. Vertraute, innige Geschichten werden erzählt, Geschichten, die sich durch die Sprache der Musik vermitteln, Lieder, die in diesem Fall ohne Worte auskommen. Zurückgenommen im Ton, vertrauend auf die Schönheit der Musik, harmonisch gleichwohl raffiniert und melodisch berührend spielt Petry seine besondere Stärke aus: einen unverwechselbaren Ton, reich an Nuancen, Farben, Emotionen.

Till Brönner, der das Debütalbum produziert hat, sagt über seinen Trompeterkollegen, er müsse lediglich zwei Töne hören, um zu wissen: Da spielt Bill Petry! Zwei seelenverwandte Musiker haben sich für dieses Projekt zusammengetan: Petry ebenso wie Brönner spielen die Trompete auf eine Art und Weise, die der menschlichen Stimme möglichst nahekommen soll. Als Produzent hat sich Brönner schon längst einen Namen gemacht – anfangs mit dem großformatigen Projekt 17 Millimeter der späten Hildegard Knef (1999), darauffolgend durch Arbeiten für so unterschiedliche Künstler wie Manfred Krug, Thomas Quasthoff oder die No Angels. Mit Close Your Eyes hat Brönner nun erstmalig ein Album für einen anderen Trompeter produziert.

Ein für ihn folgerichtiges, quasi alternativloses Projekt. Auf dem CD-Cover drückt Till Brönner das so aus: “This album simply needed to be recorded! I feel every note in it, and I am proud having been a part of Bill Petry’s debut. You will hear and read a lot about him in the future. Trust me.”

 

An die Ästhetik Chet Bakers oder eines Chris Botti anknüpfend, setzt Close Your Eyes entgegen allen Jazz-Klischees und -Konventionen nicht auf komplizierte Improvisationen, sondern vertraut auf die wunderschönen Melodien. Auf Songs, die in der Musikgeschichte ihren festen Platz schon gefunden haben, unzählige Male aufgenommen – und die Petry und sein Quartett dennoch auf eine höchstpersönliche Weise zu interpretieren wissen. Man staunt über ein gleichsam cineastisch arrangiertes The Sound of Silence, man meint die Wärme eines passagenweise bloß gehauchten You Are So Beautiful beinahe körperlich zu spüren, man lässt sich von einem in der Liedernachbarschaft des Albums verblüffenden, an Herb Alpert erinnernden Yeh, Yeh gern überraschen und findet es doch stimmig ins Gesamtkonzept sich fügend.

Bill Petry hat für sein Debüt ein sehr intimes Album eingespielt. Das sagt er selbst: „Es gibt viel über mich preis. Einige der Songs begleiten mich schon seit meiner Kindheit und liefen auf dem Plattenspieler meiner Eltern, der immer eine magische Faszination auf mich ausgeübt hat.“ Ihm liege es am Herzen, dass das Publikum Zugang finden kann zu seiner Musik – ein barrierefreies Werk, im zeitgenössischen Jazz ist das nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

„Der Jazz hat sich über Jahrzehnte immer weiter vom Publikum entfernt“, bedauert Petry. „Er ist zunehmend akademisch und für viele Menschen schwer zugänglich geworden – als gäbe es ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt: Zeitgenössischer Jazz muss sich sperrig und kompliziert anfühlen. Es ist ein bisschen ironisch: Das Vermeiden von Klischees ist im Jazz längst selbst zum größten Klischee geworden. Als ich mit 10 Jahren das erste Mal bewusst Ella Fitzgerald und Louis Armstrong gehört habe, hat es mich nicht mehr losgelassen. Ohne dass ich etwas über diese Musik wusste, hat sie mich an Ort und Stelle abgeholt, weil der Zugang zu ihr weder jahrelange Hörgewohnheit noch ein Studium voraussetzt. Sie berührt ihr Publikum, ohne einen Umweg über den Kopf zu nehmen und ist dabei trotzdem tiefgründig und komplex. Große Kunst eben.”

Bill Petry wuchs in einer künstlerischen Familie in einem besetzten Haus auf. Bereits als Siebenjähriger begann er eine klassische Gesangsausbildung und erhielt wenig später klassischen Klavierunterricht. Im Alter von 13 Jahren hörte er das erste Mal Chet Baker und fasste den Entschluss, Trompete zu lernen. Petry studierte am Jazz Institut Berlin bei Gerard Presencer, erhielt dort auch Unterricht bei Malte Burba, zu dessen Schülern so erfolgreiche Trompeter wie Joo Kraus, Till Brönner und Julian Wasserfuhr gehören. Stilistisch lässt sich Bill Petry in keine Jazz-Schublade stecken. So arbeitete er als Solist neben Jazzgrößen wie Billy Hart, Riccardo Del Fra und Till Brönner, immer wieder auch genreübergreifend mit international gefeierten Musiker:innen wie Lisa Batiashvili und Daniel Hope.

 

Für sein Close Your Eyes-Projekt standen ihm kongeniale Musiker zur Seite: der Pianist Christian von der Goltz, dessen klugem Spiel bisweilen ein sympathisches Understatement zu eigen ist; der gefragte Kontrabassist Olaf Casimir, der bereits mit internationalen Jazzgrößen wie Sean Jones und Lionel Hampton gespielt hat; der Schlagzeuger Tobias Backhaus, dessen Berufsweg schon so bedeutende Kollegen wie Annett Louisan, Tony Lakatos oder Frank Chastenier gekreuzt haben. Mit Close Your Eyes ist Bill Petry ein reifes und ein sehr persönliches Album gelungen. Petry ist ein Musiker, der sich nicht mehr finden muss, der seine Stimme bereits gefunden hat. Zur Souveränität der Gestaltung, zu seiner immensen technischen Versiertheit kommt ein „gewisses Etwas“, ein Momentum, das sich der Analyse und der präzisen Beschreibung entzieht. Bill Petrys Musik berührt uns, vielleicht weil sie selbst etwas riskiert, weil sie verletzlich ist, weil sie uns einlädt zu einem empathischen Hören. Und weil sie alle, die diese Einladung annehmen, auf zauberhafte, eben nicht vollständig aufklärbare Art belohnt.

 

Produced by TILL BRÖNNER

Recorded and mixed by Arne Schumann at Hansa Studios Berlin

Mastered by Götz-Michael Rieth at eastside mastering studios berlin

 

23.5.   Hannover, Kanapee

24.5.   Frankfurt am Main, Jazzkeller

25.5.   Hameln, Double Time Jazz Club

30.5.   Berlin, A-Trane

31.5.   Berlin, A-Trane

01.6.   Dresden, Dresdner Festspiele (Nacht der jungen Stars)

17.6.   Heilbronn, Cave61