Hugh Masekela – Phola

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Hugh Masekela – Phola

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(World Connection, VÖ: 24.04.09). Auch im Alter gönnt sich Hugh Masekela keine Ruhe, der Trompetenstar, der in seiner südafrikanischen Heimat als Nationalheld verehrt wird, ist umtriebig wie eh und je. Seinen 70. Geburtstag feiert er mit “Phola”, dem mittlerweile 35. (!) Album als Leader, sowie einer groß angelegten Tournee. Die führt ihn im Mai auch nach Deutschland (Termine am Ende dieser Biographie).


“Phola” heißt in Südafrikas Landessprache übrigens soviel wie “genesen” oder “heilen”, wird jedoch auch im Sinne von “entspannen” bzw. “chillen” benutzt. Der Ausdruck passt bestens zum vorliegenden Album, präsentiert Hugh Masekela hier doch einmal mehr sein angenehm fließendes, natürlich warmes Flügelhornspiel und seine sympathische Gesangsstimme. In Stücken zwischen Jazz, R&B, Afrobeat und Township-Musik bevorzugt er zumeist eine ruhige, gelassene Gangart. Die Bandbreite reicht von heiteren Instrumentals wie “Mwanayu Wakula” über federnde Groovenummern à la “Moz” (in jeder Note genauso eingängig wie Masekelas Überhit “Grazing In The Grass” von 1968) bis zu den bewegenden Gesangstiteln “Ghana” und “Bring It Back Home”.

Im Verlaufe seiner unvergleichlichen Karriere hat der Jazzman mit berühmten Produzenten zusammengearbeitet. Mag sein, dass Erik Paliani in der Szene noch nicht ganz so bekannt ist, er ist deswegen nicht minder begabt. Das erfasste Masekela auf Anhieb: “Nachdem ich einige seiner Arbeiten gehört hatte, darunter CDs von Zama Jobe und Mavo Solomon, und nachdem ich sein Gitarrenspiel an der Seite anderer Künstler in Live-Gigs kennen gelernt hatte, war ich davon überzeugt, dass Erik der richtige Mann für das war, was mir bei diesem Projekt vorschwebte. Erik und sein Mitarbeiter Ezra Erasmus konzentrierten sich darauf, eine ruhige musikalische Atmosphäre mit unbegrenztem Raum zu erschaffen. Sie sind beide Meisterkönner mit einem unglaublichen Sinn für Humor. Außerdem sind sie Fachleute für jede erdenkliche Musik, und sie arbeiten mit größtem Respekt und voller Hingabe.”

Die harmonische Zusammenarbeit im Studio brachte wunderbare Stücke Musik hervor. Man höre nur mal den reizvoll groovenden Township-Track “Malungelo” im 12/8-Takt oder das überaus private “Ghana”, in dem Masekela singend davon erzählt, wie er seine Frau Elinam kennen lernte. Sehr persönlich wird es auch in “Sonnyboy”. Abgeleitet von eigenen Erfahrungen bittet der Trompeter in dem autobiographischen Song die Eltern überall auf der Welt, die musischen Begabungen ihrer Kinder zu fördern.

Ein Paradebeispiel für Masekelas ungebrochenes Politengagement ist der Song “Weather”, seine besorgte Reaktion auf Umweltverschmutzung und den drohenden Klimawandel. Der Südafrikaner beklagt hier aufgebracht, dass Gier und Profitstreben heutzutage wichtiger sind als ein ungestörter Naturhaushalt. Mit seinen gesellschaftskritischen Ansichten hält Hugh Masekela auch in “Bring It Back Home” nicht hinterm Berg. In diesem Song fordert er die Kaste der Politiker auf, sich wieder mehr um die Sorgen und Nöte der Menschen, denen sie ihre Macht verdanken, zu kümmern, statt sich permanent nur dem Eigennutz hinzugeben. Sehr berührend ist des Weiteren “Hunger”. “In dem Song geht es um den Hunger und den Überlebenskampf in der Welt, insbesondere in Afrika”, erläutert der Künstler sein Anliegen. “Es geht darin um verlogene Politiker und ihre leeren Versprechen und darum, wie Afrika von unehrlichen Führern ausgeraubt wurde und die Wähler nach den Wahlen plötzlich nichts mehr bedeuten. Der Song plädiert dafür, zu den alten Werten zurückzukehren und das Wissen der Älteren wieder mehr zu schätzen.”

Masekela, der zu Zeiten der Apartheid aufwuchs und wegen seiner Hautfarbe benachteiligt wurde, nimmt man das Aufbegehren gegen Ungerechtigkeiten in der Welt jederzeit ab. Wenn er unfaire Zustände anprangert, dann weiß er, wovon er spricht, schließlich ist er selbst in einem Land groß geworden, in dem Rassentrennung, Diskriminierung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an der Tagesordnung waren. Hugh Ramopolo Masekela ist 1939 in Witbank geboren. Schon als Kind sang er gern und spielte Klavier. Mit vierzehn wechselte er zur Trompete, nachdem er den Hollywood-Film “Young Man With A Horn” mit Kirk Douglas in der Rolle von Bix Beiderbecke gesehen hatte. Als er von Erzbischof Trevor Huddleston, dem Apartheidgegner der St. Peters Secondary School, eine Trompete geschenkt bekam, übte er wie besessen. Sobald Masekela die Grundbegriffe des Trompetenspiels gemeistert hatte, schloss er sich der Huddleston Jazz Band an, Südafrikas wichtigstem Jugendorchester. 1959 gründete das Nachwuchstalent mit Dollar Brand (alias Abdullah Ibrahim) die Jazz Epistels, die erste Jazzgruppe aus Afrika, die eine LP aufnahm. Nach dem Sharpeville-Massaker, bei dem 69 friedlich protstierende Afrikaner erschossen wurden, verließ Masekela seine Heimat. Zwei Jahre studierte er an der Guildhall School Of Music in London, dann veröffentlichte er sein Debütalbum “Trumpet Africaine”. 1965 gelang ihm mit “The Americanization Of Ooga Booga” der weltweite Durchbruch. Nach der Übersiedlung nach Los Angeles wurde der Starruhm vom Number-One-Hit “Grazing In The Grass” dauerhaft zementiert. Über vier Millionen Einheiten gingen davon über die Ladentheke, danach riss die Kette der Erfolgsmeldungen nicht mehr ab.

Im Verlaufe der 70er Jahre schürfte der Trompeter tiefer nach seinen afrikanischen Wurzeln, nachzuhören auf “Home Is Where The Music Is” (featuring Dudu Pukwana am Saxophon) und “I Am Not Afraid”. In den 80er Jahren folgten Einspielungen fürs britische Jive-Label (z.B. “Techno-Bush”), das Broadway-Musical “Sarafina!” und Paul Simons “Graceland”-Tournee. Nach Nelson Mandelas Freilassung und dem Ende der Apartheid im Jahre 1990 konnte Masekela endlich nach Südafrika zurückkehren. Inspiriert von der Aufbruchstimmung in der Heimat nahm er seither mehrere Alben im Afrobeat- und Township-Stil auf, darüber hinaus schaute er 2004 in seinen Memoiren (“Still Grazing: The Musical Journey Of Hugh Masekela”) auf ein bewegtes Leben zurück. “Phola” nun belegt, dass es eigentlich zu früh war für eine Abschlussbilanz. Dazu steckt noch viel zuviel Tatendrang in dem 70-järigen. Voller jugendlichem Enthusiasmus und ungestillter Neugier geht er hier seinen integren Weg. Mit “Phola” legt der “Elder Statesman Of Jazz” ein rhythmisch-melodisches Manifest vor, das reichlich Gedankenfutter, aber auch jede Menge tanzanimierender Spaß-Stücke bereithält.

TOURDATEN:

04.05.2009 NÜRNBERG Opernhaus
06.05.2009 WORPSWEDE Musichall
08.05.2009 KARLSRUHE Tollhaus
09.05.2009 RUBIGEN (SCHWEIZ) Mühle Hunziken
11.05.2009 HANNOVER Schauspielhaus (Masala Festival)
16.05.2009 BERLIN Haus der Kulturen der Welt