The Brand New Heavies – Sweet Freaks

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The Brand New Heavies – Sweet Freaks

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tbnh_bklt (earMusic, VÖ: 24.10.2014)

Halte für einen Moment inne und denk‘ nach. Wie viele Künstler kannst du aufzählen, die bereits in den 90ern groß waren, die immer noch aktiv sind und regelmäßig neue Musik auf den Markt bringen? Musik, die so frisch, lebendig und ansteckend ist, wie damals? Welcher oder wie viele Künstler dir auch immer in den Kopf kommen werden, einer davon wird definitiv dabei sein: Die Acid-Jazz-Pioniere, die Experten für funky Grooves und unglaublich soulige Harmonien – The Brand New Heavies.

Die elf Tracks, die auf dem zehnten Studioalbum des Quartetts “Sweet Freaks” zu finden sind, können als ein letzter Beweis dafür gewertet werden – voll von unwiderstehlichen Grooves und durchdachten Melodien, so viel lebhafte Energie und Enthusiasmus wie es für all ihre erfolgreichen Alben typisch ist. All das wurde in der vergleichbar kurzen Zeit von weniger als fünf Monaten umgesetzt – inklusive Writing, Arrangements, Recording und natürlich das finale Mixing der gesamten Platte, was alles von der Band selbst übernommen wurde.

„Bevor wir diese kreative Reise antraten, haben wir uns ein klares Zeitlimit gesetzt. Ein bisschen Druck tut niemandem weh“, erinnert sich Bassist Andrew Levy, der ein Drittel des Kerns der Band ausmacht – die anderen beiden sind Drummer/Keyboarder/Sänger Jan Kincaid und Gitarrist Simon Bartholomew. „Vor noch nicht allzu langer Zeit haben wir einmal zwei Jahre an einem Album gearbeitet. Letztendlich ist es auch nicht schlecht geworden, trotzdem war das eindeutig zu lang. Wenn du einmal damit anfängst, deine ursprünglichen Ideen zu überdenken, verliert man als Künstler irgendwann die Spontaneität. Und das ist nie gut.“

Stattdessen ist die Band zu der Art zurückgekehrt, wie sie auch schon zu Beginn in ihrer langen und fruchtbaren Karriere gearbeitet hatten. „Wir haben uns alle in einem Raum zusammengesetzt und alle Rhythmen ausprobiert, die uns in den Kopf kamen. Sobald wir hier einen guten Beat gefunden hatten, lief alles wie von selbst. Man muss es nur zulassen“, lacht Levy.
Was für ein Geschenk, wenn man bedenkt, wie wenig andere Künstler in der Lage dazu wären, solch großartige Nummern wie das hymnische „Bring the Rain“, den wundervollen Mix aus Back-In-The-Days Disco-Sound und R&B in “95 Tonight” oder das fließende “You Are the Fire” einfach so „geschehen“ zu lassen.

Ein essentieller Teil, der das Album gleichermaßen lebhaft, wie klassisch und rundum unterhaltsam macht, ist die Stimme von The Brand New Heavies, die die bildschöne und wundervolle Dawn Joseph liefert. Die Sängerin aus Jersey feierte 2013 bei „Forward“ ihr Debut, wo sie sich ihre Pflichten als Sängerin noch mit der Original Lead-Sängerin N’Dea Davenport teilte. Seit ihrem Eintritt in die Band bringt Joseph ihren eigenen unvergleichbaren Stil ein. Man muss sich dazu einfach Tracks wie “In the Name of Love”, “Self Portrait” oder “Get On” anhören. Ihre Stimme ist selbstsicher, kraftvoll und unglaublich vielseitig.

Eine zusätzliche interessante Note bekommt “Sweet Freaks” durch den Covertrack, der so unerwartet wie genial ist. „Wir steckten mitten in der Arbeit am Album, als wir anfingen von der Integration eines Covertracks zu sprechen“, sagt Andrew. „Wir empfanden das alle als gute Idee und fingen an, Vorschläge in den Raum zu werfen. Ich glaube, es war dann Dawn, die mit ‘Sledgehammer’ um die Ecke kam. Alle sind sofort darauf angesprungen und wir fingen direkt an zu jammen.“ Die Originalaufnahme von Peter Gabriel ist Kult. Es ist nicht einfach, das Ganze zu etwas eigenem zu machen. Doch The Brand New Heavies gelang dieses Kunststück und gaben dem Song einen grandiosen frischen funky Spin.

Die Band wurde von Andrew Levy, Jan Kincaid und Simon Bartholomew Mitte der achtziger Jahre als Instrumental Act gegründet und begann beinahe sofort, die Londoner Club Szene aufzumischen. Da das Trio nichts überstürzen wollte, ließen sie sich bis 1990 Zeit um die richtigen Partner zu finden, mit denen sie ihre Musik angemessen vermarkten konnten – das mittlerweile legendäre Acid Jazz Label in Großbritannien und Delicious Vinyl in den Staaten. Die US-Sängerin N’Dea Davenport brachte den Soul mit ein, das Debut-Album der Band verhalf ihnen zum Durchbruch. Hits wie “Never Stop”, “Stay This Way” und “Dream Come True” machten nicht nur Stars aus ihnen. Sie legten auch den Grundstein für die weltweite Bekanntheit des Acid Jazz in den Neunzigern, ein funkiger Sound, der mit Künstlern wie Jamiroquai, US3, The James Taylor Quartet und Incognito die Massen erreichte.

Niemals davor zurückschreckend etwas Unerwartetes zu tun, arbeiteten sie 1992 für ihr zweites Album mit den zu dieser Zeit einflussreichsten und populärsten Rappern zusammen – darunter Gang Starr main man Guru, The Pharcyde, Grand Puba von Brand Nubian, Main Source und Kool G Rap. 1994 kehrte für “Brother Sister” – das Songs wie “Dream On Dreamer” und die sexy Interpretation von “Midnight at the Oasis” von Maria Muldaur enthielt – Miss Davenport ans Mikrophon zurück.

Schließlich verließ Davenport die Band, um sich ihrer Solokarriere zu widmen. Doch das beendete die Erfolgsserie der The Brand New Heavies nicht und sie holten sich die Quincy-Jones- und Michael-Jackson-erprobte Siedah Garrett als neue Lead-Sängerin für das 1997 veröffentlichte Album “Shelter”. Eine Platte, die eine ganze Reihe neuer großartiger Nummern wie “Sometimes” und die radiotaugliche Version des unsterblichen Carole King/James Taylor Songs “You’ve Got a Friend” hervorbrachte.

Drei Alben (N’Dea Davenports Rückkehr für das 2006 veröffentlichte “Get Used to It” eingeschlossen) und diverse Seitenprojekte später, kehrten The Brand New Heavies 2013 auf die Bildfläche zurück. Das brilliante Werk “Forward” präsentierte der Welt die britische Sängerin Dawn Joseph. Beim starken Nachfolger “Sweet Freaks” ist Dawn Joseph ebenfalls mit von der Partie und wird es auch für die anstehende und lang ersehnte Tour bleiben, die Ende 2014 startet.

„Ich liebe es einfach, Musik zu schaffen. Zu sehen, zu hören und zu wissen, dass unsere Arbeit Menschen glücklich macht, ist für mich der ultimative Kick. Das ist ein Gefühl von dem ich niemals genug kriegen kann.“ Nachdenklich reflektiert Levy über die Langlebigkeit von The Brand New Heavies. „Zwischen uns besteht eine starke Verbundenheit, Kameradschaft und Freundschaft, was uns immer wieder antreibt. Momentan sind wir aber auch einfach großartig. Gerade mit dem neuen Album in den Startlöchern habe ich ein sehr positives Gefühl in Bezug auf die Zukunft. Ich wäre nicht sehr überrascht, wenn wir noch weitere zehn Alben vor uns hätten. Man weiß ja nie…“

Tatsächlich. Bedenkt man den Antrieb, die Energie und die pure Qualität von “Sweet Freaks” und denkt man über eine Welt ohne neue Musik von The Brand New Heavies nach – das wäre nicht nur schmerzhaft, das wäre schlicht absurd. Nicht jetzt. Nicht für eine sehr lange Zeit.