Ulita Knaus & Band / Julian Lage Group – JazzToDay [Tour]

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Ulita Knaus & Band / Julian Lage Group – JazzToDay [Tour]

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UlitaKnaus3056_4738 Es ist wahrhaft keine schöne Aufgabe, Eulen nach Athen zu tragen. Also etwa konstatieren zu müssen, dass Deutschland nicht eben reich gesegnet ist mit Jazz-Stimmen wie der von Ulita Knaus. Dass es dem Rest der Welt nicht anders geht, ist da bloß ein schwacher Trost. Stellen wir uns also lieber die Frage, wie es zu solch hohem Lob kommen konnte. Die Antwort ist denkbar einfach und konterkariert, wieder einmal, jede puristische Herangehensweise an ein Genre, dem eben diese ohnedies überhaupt nicht entspricht. Ulita Knaus ist nicht als Jazzerin auf die Welt und auch nicht als solche zur Musik gekommen, und vor allem Letzteres hört man ihren Songs nun, da sie letzten Endes mehr oder weniger doch im Jazz angekommen ist, erfreulicherweise immer noch an.

Pünktlich zur Einschulung begann Ulita Knaus auch ihre Ausbildung als Pianistin, als Tochter eines deutschen Vaters und einer venezuelanischen Mutter verliebte sie sich zunächst in die Musik an sich, spezifizierte ihre Passion dann in Richtung Latino-Pop und begann schließlich mit 20 eine Ausbildung in Jazzgesang. Alles Weitere, so möchte man sagen, ist Geschichte. Stimmt aber halt nicht ganz, denn jene Mixtur aus flammenden Improvisationen und lyrischer Sanftmut, welche „La Knaus“ aus dem nicht eben Jazz-begeisterten Hamburg zur internationalen Größe werden ließen, dankt ihr Wachsen auch einer cleveren Auswahl von Begleitern.
Ihr Pianist Mischa Schumann, der Bassist Gerold Donker und, als jüngster Zugang ihrer Band, der Schlagzeuger Ole Seimetz zeichnen maßgeblich mitverantwortlich für den Sound einer Formation, die ein germanisches Unikat genannt werden darf. Als Ulita Knaus kürzlich den Hamburger Jazzpreis 2009 erhielt, schrieb Stefan Hentz in der „Welt“: „Eine Musikerin unter den Sängern, die sich von Beginn ihrer Laufbahn an nicht auf die Wege eingelassen hat, wo sich die Sängerinnen so herumtreiben, rauchen, hauchen, Nachtclub spielen und die Aura der Fünfziger-Schwarzen-Serie beschwören“. Die schöne Beschreibung wäre auch simpler zu fassen gewesen: Knaus ist schlicht ein Original.
Auf mittlerweile vier Alben hat Ulita Knaus, die ihr Ensemble nach einer Begegnung mit ihrem Idol Dianne Reeves ins Leben rief, zum eigenen Stil inmitten der nicht eben schlecht aufgestellten, femininen Konkurrenz gefunden. Dass sie ihre frühen Jahre als Sängerin in Soul-, Funk- und Popbands erlebte, hört man ihrem kaum einer Konvention verpflichteten Gesang zum Glück bis heute an. Man darf also gespannt sein auf das für die „Jazz Today-Tour“ zusammengestellte Best Of Programm – ein funkelndes Set aus Jazz, Bossa, Funk und Soul.
Ulita Knaus (voc) Mischa Schumann (p, keyb) Gerold Donker (b) Ole Seimetz (dr)

JULIAN LAGE Group

Herkunft ist bekanntlich niemals alles und muss auch keines Künstlers Arbeit unbedingt determinieren. Auf des Artisten Attitüde allerdings kann sie verheerend positive Auswirkungen haben. Dass Julian Lage der San Francisco Bay Area entstammt, ist seiner Musik durchaus anzuhören. Jene Gegend, in der einst die Hippie-Bewegung entstand und auch ihre prägnantesten Bands sich formierten, steht seither für eine auffallende Lässigkeit und auch für die Chuzpe, nicht jede Erwartungshaltung zu erfüllen. Was einem Blumenkind der Sixties noch leichte Übung war, stellt für einen zum Wunderkind erklärten Jazzgitarristen schon eine Herausforderung dar. Der 21jährige Julian Lage hat sich ihr aber nicht nur charmant gestellt, er neigt sogar zur Planübererfüllung – zur Freude seiner Hörer. Und das, obwohl er inzwischen ins neuenglische Boston, eine Gegend fast ohne Hippie-Traditionen, umgesiedelt ist.
Nachdem er als Achtjähriger seine Gitarristenkarriere begonnen hatte und bereits als Teenager den Sideman für Gary Burton gab, gönnte er sich für sein Solo-Debüt das in der Branche kostbarste Gut: Zeit. Ganz offenbar hat er dabei überraschend früh seine Sturm- und Drangphase hinter sich gelassen und bereits jetzt zu sonst eher dem fortgeschrittenen Alter zugeschriebener Gelassenheit finden können. Sein Album „Sounding Point“ geizt geschickt mit all jenen technischen Fähigkeiten, die ihm zwar zugetraut werden, die aber das Ergebnis nur hätten verwässern können. Lage protzt nicht mit Tempo und Artistik, er traut seinen luftigen Kompositionen viel Weißraum zu und tut dies auch dann noch, wenn er fremdes Material in neue Formen gießt.
„Natürlich hätte ich schon viel früher ins Studio gehen können“, sagt der hochtalentierte Twen, „aber ich hatte damit einfach keine Eile. Ich wollte, dass sich meine Kompositionen zu dem entwickeln konnten, als was ich sie mir immer vorgestellt hatte. Und ich bin sehr dankbar, dass niemand irgendwelchen Druck auf mich ausübte. Jetzt allerdings war es dann halt doch langsam an der Zeit.“ Mal solo, mal mit seiner vierköpfigen Band aus Saxophon, Cello, Bass und Schlagwerk brilliert Lage also in fast countryesker Laid-Back-Manier, selbst Miles Davis’ „All Blues“, unterstützt vom ebenfalls blutjungen Pianisten Taylor Eigsti, gerät ihm zur Preziose ohne jede Patina. Erstaunlich ohnehin, noch weitaus erstaunlicher indes, wenn man sich bisweilen das Alter des Musikers in Erinnerung ruft.
Am Ende ist Julian Lage musikalisch doch wieder in die San Francisco Bay Area zurück gekehrt. Wie beiläufig am Frühstückstisch würfelt er Jazz, Blues, Folk, manchmal gar ein Quäntchen Pop und dann nochmals Jazz zur aufregenden, aber niemals aufgeregten Melange, zu der wir uns den Sonnenuntergang überm Pazifik nicht einmal mehr dazu denken müssen. Lage hat ihn schließlich vertont.
Julian Lage (g) Tupac Mantilla (perc) Jorge Roeder (b) Aristides Rivas (vc) Dan Blake (sax)

Tourtermine:

20.01.2010 – Bonn, Brückenforum
21.01.2010 – München, Carl-Orff-Saal
22.01.2010 – Düsseldorf, Savoy Theater
23.01.2010 – Dortmund, Konzerthaus
24.01.2010 – Mannheim, Alte Feuerwache
26.01.2010 – Lübeck, MUK
27.01.2010 – Bremen, Glocke
28.01.2010 – Darmstadt, Centralstation
29.01.2010 – Stuttgart, Theaterhaus
30.01.2010 – Mainz, Frankfurter Hof
31.01.2010 – Karlsruhe, Tollhaus
01.02.2010 – Ulm, Roxy
02.02.2010 – Erlangen, E-Werk
03.02.2010 – Kaiserslautern, Kammgarn
04.02.2010 – Berlin, Postbahnhof
06.02.2010 – Hamburg, Kampnagel