Pat Metheny – What’s It All About

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Pat Metheny – What’s It All About

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What's It All About (Nonesuch, VÖ: 17.06.2011)
Obwohl es ein Standard im Jazz ist, bekannte und beliebte Melodien aus dem Pop zu reinterpretieren, und große Musiker wie Brad Mehldau es in der Neuerfindung von Hits zu einer wahren Meisterschaft gebracht haben, wäre PAT METHENY wahrscheinlich einer der letzten, von denen man ein Album erwartet hätte, das komplett aus Fremdkompositionen aus dem Pop-Bereich besteht. Und doch ist What It’s All About nach fast 40 Alben die erste Sammlung des innovativen Gitarristen, auf der sich nicht eine einzige Eigenkomposition befindet.

Trotzdem ist es in Atmosphäre und Klangfarbe ein auf seine Art originäres PAT METHENY-Album. Simon & Garfunkels Sound Of Silence, Burt Bacharachs Alfie oder And I Love Her von den Beatles erhalten auf What It’s All About das untrügliche PAT METHENY-Flair, an dem man den Mann aus Missouri sofort erkennt. Das mag zum Einen mit der Tatsache zusammenhängen, dass sämtliche zehn Songs des Album in enger Beziehung zur persönlichen Entwicklung des Künstlers stehen, zum Anderen aber auch damit, dass PAT METHENY durch die Spärlichkeit des Arrangements und die Konzentration auf die Bariton-Gitarre an das Album One Quiet Night anknüpft, das 2001 mit einem Grammy ausgezeichnet wurde.
„Ich wollte einige der Songs aufnehmen, die ich auf dem Schirm hatte, lange bevor ich selbst auch nur eine Note komponiert hatte“, erläutert PAT METHENY die Songauswahl für What It’s All About. „In manchen Fällen handelt es sich sogar um Songs, die ich kannte, lange bevor ich ein Instrument in die Hand genommen hatte. Ich wurde 1954 geboren, und während meiner Kindheit und meiner frühen Jugend befanden sich alle diese Songs irgendwann einmal in den Top-40. Es war damals eine Epoche, in der Harmonie und Melodie sehr wichtig waren und grundlegende Elemente in der Pop-Musik darstellten. Jeder dieser Songs besitzt etwas, was auf der musikalischen Ebene hip ist, ganz egal wie man es spielt. Und jeder von diesen Songs hat mich über all die Jahre begeleitet.“
Wie schon bei One Quiet Night dominiert auch auf What It’s All About die eigentümlich gestimmte Bariton-Gitarre, die ihn seit 2001 nie wieder losgelassen hat. In den Pausen zwischen Soundcheck und Show griff PAT METHENY in den vergangenen Jahren immer wieder zu diesem Instrument, das ihm eng an Herz gewachsen war. „Fast jeden Tag arbeitete ich mich durch die eine oder andere wohlbekannte Melodie, und jedesmal, wenn ein gelegentlicher Besucher oder die lokalen Crew-Leute mich hörten, kam jemand und fragte mich, von welchem Album das Stück sei, das ich gerade spielte. Ich musste dann antworten, dass ich es nie aufgenommen habe. Und in all den Jahren wurde ich den Gedanken nicht los, dass ich einmal ein Album mit diesen Songs aufnehmen sollte.“
Ähnlich wie bei One Quiet Night nahm METHENY die Songs zu What It’s All About spätnachts in seinem Apartment in New York City auf. Der größte Teil davon entstand auf der akustischen Bariton-Gitarre, mit Ausnahme von drei Aufnahmen, die allerdings einen nicht weniger beeindruckenden Sound besitzen: Paul Simons The Sound Of Silence spielte er auf einer 42-saitigen „Pikasso“ Custom, Bob Spickard & Brian Carmans Pipeline entstand auf einer sehr brillant klingenden sechssaitigen Akustik-Gitarre und Lennon/McCartneys And I Love Her trägt den warmen Klang einer Nylonsaiten-Gitarre.
Durchaus hat PAT METHENY den Songs ein neues, und gänzlich ungewohntes Gesicht gegeben. Erst auf den zweiten Blick wiederzuerkennen ist die A.C. Jobim / V. de Moraes-Komposition Garota de Ipanema – seit Jahrzehnten ein Jazz-Standard, aber hier in einer tiefgründigen und nahezu fragmentierten Fassung interpretiert. Ebenfalls von ungeahnter Intensität zeigt sich Mancinis Slow Hot Wind, und mit lyrischer Intimität präsentiert sich Carly Simons That’s The Way I’ve Always Heard It Should Be. Fast am Ende des Albums, das mit der verspielt-fragilen Version von Sound Of Silence beginnt, bietet PAT METHENY mit Betcha By Golly, Wow zudem ein beeindruckendes Lehrstück an Leichtfüßigkeit. Man spürt in jedem Track, wie sehr jeder dieser Songs über die Jahre zu einem Teil von PAT METHENY selbst wurde und wie sehr er beim Spiel wiederum ein Teil des Songs wurde.
In über drei Dekaden ist es PAT METHENY gelungen, Distanz zum Mainstream zu bewahren, indem er stets die Grenzen musikalischer Stilistik verschwimmen ließ ausweitete. Sein rekordverdächtiges Werk wurde mit 18 Grammys in 12 verschiedenen Kategorien ausgezeichnet und erforschte unterschiedlichste Bereiche: etwa in einer Serie von höchst einflussreichen Aufnahmen im Trio-Format, in einigen Soloalben, die vielfach mit hohen Auszeichnungen prämiert wurden, mit mehreren Scores für Hollywood-Filmkompositionen und Duetten mit legendären Musikern wie Ornette Coleman, Steve Reich, Charlie Haden, Brad Mehldau und vielen anderen. Die von ihm gegründete Pat Metheny Group ist bis heute die einzige Formation, die für sieben Veröffentlichungen in Folge mit Grammys ausgezeichnet wurde. Und doch gelingt es PAT METHENY immer wieder, seine Fans und die Jazzwelt mit neuen Ideen und Konzepten zu überraschen – siehe What It’s All About.