Israel – Naranjas Sobre La Nieve

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Israel – Naranjas Sobre La Nieve

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(NUBA Records, VÖ: 28.11.08)
In seiner Einführung im CD-Booklet preist Luis Pastor den gerade mal neunzehn Jahre alten Israel Fernández in den höchsten Tönen. Er schwärmt davon, dass der Szeneneuling all das habe, was man für eine große Zukunft als Sänger braucht und erkennt in dessen Musik einen wegweisenden Flamenco fürs 21. Jahrhundert. Pastors Urteil darf man in dem Fall ruhig vertrauen, der Mann weiß, wovon er spricht, schließlich hat er sich in den letzten 35 Jahren mit rund zwei Dutzend hochkarätiger Alben selbst den Ruf eines bedeutenden Flamencokünstlers erworben. Als Sprach-rohr der Entrechteten (anfangs noch unter Franco) wurde der sozialkritische Liedermacher zu einer Art Nationalheld in Spanien. Dem Lob seines berühmten Kollegen wird Israel Fernández auf “Naranjas sobre la nieve” (zu Deutsch: “Orangen auf dem Schnee”) in jedem Moment gerecht. Trotz seiner jungen Jahre beherrscht er schon jetzt souverän sämtliche Spielarten des Flamenco. Er kennt sich im frech-schwungvollen Bulería-Tanz und im polymetrischen Soleá-Stil für gehobene Ansprüche aus, ist in den Flamenco-Seitenzweigen Tango und Rumba (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Musikformen aus Südamerika) zu Hause und macht auch in der aus den spanischen Bergbauregionen stammenden Taranta-Gattung eine gute Figur.

Israels profunde Kenntnisse traditioneller Genres verwundern nicht weiter, wenn man weiß, dass er die Flamencomu-sik sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen hat. Als er noch klein war, wurde in seiner Familie im Ort Quintanar de la Orden in der Nähe von Toledo tagtäglich musiziert. Vater Miguel Fernández, sein Bruder LuisMi, Schwesterchen Saray und das Küken Jairo, die Onkels und Tanten, Opa und Oma spielten und sangen regelmäßig Flamencolieder mit ihm. Die entscheidende Rolle in Israels “frühkindlicher Musikerzeihung” kam jedoch Mutter Petra Muñoz zu, sie hat die Flamenco-Liebe ihres Sprösslings von den ersten Lebenstagen an genährt.
Neben den Familienmitgliedern haben Israel prominente Vertreter des Flamenco nachhaltig geprägt. Er selbst nennt Manolo Caracol, Porrina de Badajoz, Pastora Pavón (La niña de los peines), Antonio Mairena, La Paquera de Jerez und El Chaqueta als Referenzpunkte. Am stärksten hat das Nachwuchstalent allerdings José Monje Cruz beeinflusst. “El Camarón de la Isla”, die “Inselgarnele”, wie ihn die Fans scherzhaft nennen, ist für Israel der größte Flamencosänger aller Zeiten. Camarón nahm neun Alben mit Paco de Lucía auf, bevor er im Alleingang als Wegbereiter des Nuevo Flamenco Musikgeschichte schrieb.
Nicht zuletzt in dieser Hinsicht, der Weiterentwicklung des Flamenco, will Israel seinem 1992 verstorbenen Idol nach-eifern. Denn der spanische Newcomer ist zwar – wie eingangs erwähnt – fest in der Tradition verwurzelt, bleibt dort allerdings nicht stehen. Mit einer unwiderstehlichen jugendlichen Verve erneuert er in mehreren Stücken das Flamen-co-Fach. So integriert er etwa in “El Barquero” locker aus dem Ärmel geschüttelte Pianoakkorde und einen schnurren-den Kontrabass aus dem Jazzfeld. Die Luis-Pastor-Adaption “Quién” weist ebenfalls Jazzelemente auf. In “El Gurugu-ru” hören wir einen singenden E-Bass in Jaco-Pastorius-Manier. Die erste Singleauskopplung “El Beso” greift auf eine rockige Fuzzgitarre, topmoderne Drum-Sounds und einen poppigen Uhuhuuu-Chor zurück. Und “El amor” zuguterletzt ist eine radiotaugliche Ballade mit Hitqualitäten. So frisch hat Flamenco schon lange nicht mehr geklungen!

Die Aufnahmen von “Naranjas sobre la nieve” erstreckten sich über einen Zeitraum von sechs Monaten. Im Studio Escuela de Nuevas Músicas standen Israel namhafte Musiker und Songschreiber hilfreich zur Seite. An erster Stelle wäre in dem Zusammenhang Pedro Ojesto zu nennen. Er fungierte als Keyboarder, Komponist (“Eres”), Arrangeur, musikalischer Leiter und Produzent in Personalunion. Zuvor hat sich Ojesto bereits mit herausragenden Arbeiten wie “Chanson Flamenca” (2001) und seinem Jazztrio Quiero einen Namen gemacht. Nicht ganz unbekannt ist auch Juan Antonio Salazar, er steuerte gleich sechs der insgesamt zwölf Songs bei. Als Gitarrist hat Salazar in seiner Laufbahn unter anderem Camarón, Tomatito und Azúcar Moreno begleitet.

Mit “Naranjas sobre la nieve” geht für Israel ein Kindheitswunsch in Erfüllung. Schon als Junge hat er davon ge-träumt, mal ein Album unter eigenem Namen zu veröffentlichen. Um diesem Ziel näher zu kommen, musste der Spa-nier, der in El Grecos Wirkungsstätte Toledo das Licht der Welt erblickte, hart arbeiten. Schon mit elf Jahren absolvier-te er in der Heimatregion, südöstlich von Madrid gelegen, erste Bühnenauftritte auf Festivals, mit sechzehn nahm er an Talentwettbewerben wie “Tu Gran Dia” und “Gente de Primera” im nationalen Fernsehen teil. Nach dieser Vorbe-reitungsphase ist jetzt die Zeit für eine Karriere im globalen Maßstab gekommen. Keine Frage, mit seinem Albumerst-ling wird der Debütant die Herzen der Weltmusikfreunde im Sturm nehmen. Dass Israel Fernández nicht nur sehr begabt ist, sondern auch noch unverschämt gut aussieht, schadet auf dem Weg zum internationalen Starruhm sicher-lich auch nicht gerade …