Dianne Reeves – Beautiful Life

Home » All posts » Dianne Reeves – Beautiful Life

Dianne Reeves – Beautiful Life

Posted on

reeves (Concord Music Group, VÖ: 11.10.2013)

Die erste Dekade des neuen Millenniums war für Dianne Reeves mit Abstand die erfolgreichste ihrer bisherigen Karriere. Von den sechs Soloalben, die die Sängerin in dieser Zeit herausbrachte (darunter der Soundtrack für den George-Clooney-Film “Good Night, And Good Luck”), wurden vier mit einem Grammy ausgezeichnet. Wobei sie es als erste Jazzsängerin überhaupt schaffte, Grammys mit drei aufeinanderfolgenden Alben zu gewinnen. Ab 2008 gönnte sich die damals 51-Jährige eine kreative Auszeit, aus der sie sich jetzt mit einem brandneuen Album und bei einem neuen Label zurückmeldet. Und der Einstand bei Concord Records (nach einer über zwanzig Jahre währenden Partnerschaft mit Blue Note) hätte Dianne Reeves kaum besser gelingen können: Denn mit “Beautiful Life” legt sie gleich ein Album vor, das alles hat, um zu einem Soul-Jazz-Klassiker zu werden.

Für “Beautiful Life” sang Reeves ein rundes Dutzend Lieder ein, darunter einige, die sie über die Jahrzehnte hinweg auf die eine oder andere Art berührt und beeinflusst haben. Dabei interpretiert sie diese Stücke in einer Weise, die nicht nur Jazzfans ansprechen wird. Ebenso beeindruckend wie die Songauswahl ist auch das Team, mit dem Reeves auf “Beautiful Life” kooperiert hat: es setzt sich aus jungen Talenten wie Esperanza Spalding, Robert Glasper, Gregory Porter und Gerald Clayton sowie schon länger etablierten Größen wie Lalah Hathaway, Richard Bona, Terri Lyne Carrington und dem erst kürzlich (am 5. August 2013) verstorbenen George Duke zusammen, der ein Cousin von Reeves war.

Das durch und durch sinnliche Album beginnt mit einer fesselnden Überarbeitung des Marvin-Gaye-Klassikers “I Want You”. Mit Gayes Musik wuchs Reeves in einer Zeit auf, als die Stilgrenzen und musikalischen Kategorien noch nicht so klar definiert waren, wie sie es heute sind. “Ich habe Marvin Gaye immer geliebt”, sagt Dianne Reeves. “Nicht nur, weil er ein großartiger Sänger war, sondern auch weil seine Musik in Jazz getränkter Soul war.”

In Zusammenarbeit mit Robert Glasper haucht Reeves dem Fleetwood-Mac-Song “Dreams” neues Leben ein und beschert uns eine wundervoll eindringliche und spannungsreiche Interpretation dieses Rockklassikers. Ani DiFrancos “32 Flavors” gehört zwar schon seit längerem zu Reeves’ Live-Repertoire, wurde von ihr aber bisher noch nie für ein Album aufgenommen. “Der Song handelt von Leuten, die erstaunliche Dinge tun, ohne dass dies jemandem bemerkt”, erläutert Reeves. “Es geht darum, dass wir bewusster wahrnehmen sollen, was um uns herum geschieht, dass wir den Menschen, die unser Leben bevölkern und bereichern, mehr Aufmerksamkeit schenken sollen.”

Wirklich brillant ist auch Reeves Version des von Harold Arlen und Ted Koehler geschriebenen Jazzstandards “Stormy Weather”, den bereits Legenden wie Ethel Waters, Lena Horne und Billie Holiday unsterblich gemacht hatten. So wie diese den Song damals einem Mainstream-Publikum näherbrachten und ihm dabei ihren eigenen Stempel aufdrückten, tut dies nun auch Dianne Reeves.

Bob Marleys “Waiting In Vain” ist ein weiteres Song-Juwel, das sich Dianne Reeves auf “Beautiful Life” zueigen gemacht hat. “Ich bat den brasilianischen Gitarristen Romero Lubambo, der ein guter Freund von mir ist, diesen wunderbaren Song für mich zu arrangieren. Ich konnte es kaum abwarten, das von ihm bearbeitete Stück zu singen”, sagt Reeves voller Enthusiasmus. Und Lubambo schaffte es tatsächlich, diesen Klassiker mit einem Hauch seiner brasilianischen Magie noch mehr zu veredeln.

In “Tango” feiert Reeves in einer wortlosen Tour-de-force eine ganze Reihe nicht englischsprachiger Sängerinnen, die sie leidenschaftlich verehrt. “Sängerinnen wie Celia Cruz, Miriam Makeba, Elis Regina, Angélique Kidjo, Cesária Évora und viele andere haben mich inspiriert und fasziniert, obwohl ich nie auch nur ein Wort von dem, was sie sangen, verstanden habe”, merkt Reeves an. “Ich singe diese Nummer bei Auftritten in der ganzen Welt und habe den Eindruck, dass der Geist meiner improvisierten Gesangseinlage überall sofort verstanden wird.”

“Feels So Good (Lifted)” ist ein besonders anrührender Song, weil Reeves hier von dem gerade gestorbenen George Duke begleitet wurde. “George war ein erstaunlicher Künstler und Mensch. Er war pausenlos auf der Suche nach Lösungen und trieb die Dinge stets voran. Und genau darum geht es in dem Song”, meint Reeves. “Wir unterhielten oft darüber, dass man sich die gute Laune nicht verhageln lassen und dunkle Wolken nach Möglichkeit vertreiben soll. Ich werde George, den ich bis in alle Ewigkeit liebe, unglaublich vermissen. Er beendete dieses Lied als er bereits krank war.”

“Satiated (Been Waiting)” wurde von der Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington geschrieben, die auch als Produzentin für “Beautiful Life” verantwortlich zeichnete. Die im Duett mit Gregory Porter gesungene Nummer braucht den Vergleich mit den ganz großen Klassikern und Hits des Soul-Jazz in keinster Weise zu fürchten. Dasselbe gilt übrigens auch für das von der Bassistin und Sängerin Esperanza Spalding komponierte “Wild Rose”.

Geri Allens “Unconditional Love (For You)” erschien erstmals auf Terri Lynne Carringtons Album “The Mosaic Project”, das 2012 als bestes Jazzvokalalbum mit einem Grammy prämiert wurde. Reeves, die an der Einspielung des Albums mitgewirkt hatte, verliebte sich damals in dieses Stück. “Mir gefiel sowohl der Titel als auch die Musik” erzählt Reeves, “und dies inspirierte mich dazu, einen Text für diese Nummer zu schreiben. Es ist ein Plädoyer dafür, allen Kindern, die in dieser schwierigen Welt aufwachsen, Orientierungshilfe und bedingungslose Liebe zu geben.”

Die melancholische Ballade “Cold” schrieb Dianne Reees zusammen mit zwei Mitgliedern ihrer regulären Band: Schlagzeuger Terreon Gully und Pianist Peter Martin. Und die unter die Haut gehende, hymnische Abschlussnummer “Long Road Ahead” widmete Dianne Reeves ihrer Mutter, die letztes Jahr verstarb. “Sie war nicht nur mit Leib und Seele meine Mutter, sondern auch eine beste Freundin und ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man ein wundervolles Leben lebt. Denn im Grunde ist das Leben wundervoll. Und ich wollte auf diesem Album all das feiern, was allzu oft übersehen wird.”

Rechtzeitig zur Veröffentlichung von “Beautiful Life” wird Dianne Reeves für drei Konzerte nach Deutschland kommen. Zunächst tritt sie am 21. Oktober in der Kongresshalle von Saarbrücken auf. Außerdem kann man sie am 28. November in der Philharmonie Essen erleben und einen Tag später in der Kölner Philharmonie.

Songs: I Want You / Feels So Good (Lifted) / Dreams / Satiated (Been Waiting) / Waiting In Vain / 32 Flavors / Cold / Wild Rose / Stormy Weather / Tango / Unconditional Love (For You) / Long Road Ahead