Chico Freeman – The Elvin Jones Project

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Chico Freeman – The Elvin Jones Project

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Als Elvin Jones am 18. Mai 2004 nach über 500 Studioaufnahmen an Herzversagen starb, verlor die Jazzwelt einen genuinen Musiker und allseits beliebten Kollegen. Der aus Detroit stammende Schlagzeuger spielte zu Beginn seiner Karriere Mitte der fünfziger Jahre in New York mit Charles Mingus, Teddy Charles, Bud Powell, Sonny Rollins und Miles Davis. 1960 wurde er Mitglied des John Coltrane Quartetts. Bis 1966 spielte Jones auf allen Klassikern der Gruppe, darunter der Höhepunkt in Coltranes Schaffen, „A Love Supreme“. Seit dieser Zeit, in der er die Bebop-Rhythmen befreite und in seinem Spiel bis ans Äußerste ging, ohne indes das Metrum völlig aufzulösen, gilt Elvin Jones als einer der souveränen, großen Schlagzeuger des Jazz, eine Legende, von der fast alles ausging, was im modernen Jazz bis heute wichtig ist.

Chico Freeman, Sohn des ebenfalls berühmten Saxophonisten Von Freeman, hatte das Glück und das Privileg, bereits am Anfang seiner Karriere, die Mitte der 1970er Jahre in der New Yorker Loft-Jazz-Szene an der Seite von Cecil McBee, Sam Rivers, Don Pullen und Sun Ra begann, mit Elvin Jones zusammenzuspielen. Jones ermöglichte dem jungen, ambitionierten Saxophonisten und Komponisten erste Plattenaufnahmen und nahm ihn zum ersten Mal mit nach Europa. Auch später trafen sie sich häufig im Studio, etwa bei den Aufnahmen von Freemans Alben, „The Pied Piper“ und „Tales Of Ellington“. Gemeinsam tourten sie mit The Elvin Jones Jazz Machine durch Europa und die USA und gastierten dabei in den berühmtesten und historisch wichtigen Jazzclubs, darunter „The Keystone Korner” in San Francisco, „The Lighthouse” in Hermosa Beach, „The Village Vanguard” in New York, „The Jazz Workshop” in Boston und „Ronnie Scott’s“ in London.
Wenn Chico Freeman, dessen Spielweise oft gleichzeitig traditionell, avantgardistisch und frei klingt und der als einer der vielseitigsten Musiker seiner Generation längst selbst eine Jazz-Legende ist, von seinem Mentor und Kollegen erzählt, dann leuchten seine Augen vor Begeisterung. „Elvin Jones hat mir meinen ersten Aufnahmetermin in einem Studio verschafft. Ich dachte, Ok, spielen wir seine Musik. Er aber fragte mich: ‚Was möchtest du spielen? Wen möchtest du als Musiker dabeihaben?’ Als Verehrer von John Coltrane mit dem Schlagzeuger zusammenzuarbeiten, der auf allen berühmten Aufnahmen meines Idols gespielt hat, das war, als würde ein Traum in Erfüllung gehen.“
Mit dem Elvin Jones Project, das der Saxophonist mit den renommierten Jazzmusikern George Cables (p), Lonnie Plaxico (b) und Winard Harper (dr), die alle selbst noch mit Elvin Jones Studio und Bühne geteilt haben, initiiert hat, setzt Chico Freeman dem Schlagzeuger ein eindrucksvolles Denkmal. Alle Stücke, die er für das Album „Elvin“ ausgesucht hat, sind Kompositionen, die Jones irgendwann im Laufe seiner Karriere aufgenommen oder die er auf der Bühne gespielt hat. Neben Jones’ swingendem „E.J.’Blues“ und Freemans harmonisch wie rhythmisch anspruchsvollem „The Pied Pieper“ (mit dem Saxophonisten und Flötisten Martin Fuss als Gast) finden sich aufregende Neuinterpretationen von Joe Hendersons „Inner Urge“, Wayne Shorters „Night Dreamer“ und „Mahjong“ sowie „Think On Me“, das der Pianist George Cables geschrieben hat, als er Mitglied der Elvin Jones Band war. Teile des Albums sind zudem Hommagen an das John Coltrane Quartett, an dessen hohen Standard seiner Improvisationen, seines Zusammenspiels und an den bleibenden Wert seiner Kompositionen, die meist von Coltrane selbst stammten, wie die beiden Stücke, die Chico Freeman ausgewählt hat, die Balladen „After The Rain“ und „Lonnie’s Lament“.
Auch wenn die neun Stücke älteren Datums sind und schon mal aufgenommen wurden, klingen die Neubearbeitungen und -Arrangements ungemein frisch und die Improvisationen lebendig, aufregend und hoch virtuos. „Wir versuchten, neue Wege zu gehen“, erläutert Chico Freeman das Konzept des Projekts. „Als wir anfingen, wussten wir nicht, wie wir die Stücke spielen sollten. Vieles von dem, was man jetzt auf dem Album hört, entstand im besten Jazz-Sinn ganz spontan. Es ging bei diesem Projekt auch nie darum, dass Winard Harper genau wie Elvin Jones klingt, sondern dass er in seinem Sinn originell spielt.“
Das ist Winard Harper wie auch seinen Mitmusikern sowie dem Spezialgast Joe Lovano, einem weiteren Jazzgiganten, der sich auf zwei Stücken mit Bandleder Chico Freeman fesselnde Saxophonduelle liefert, überzeugend gelungen. „Elvin“, das an drei Tagen im September 2011 in New York aufgenommen wurde, ist sowohl ein abwechslungsreiches, und stimmungsvolles Album als auch eine überzeugende Würdigung eines der ganz Großen des Jazz, der am 9. September 2012 85 Jahre alt geworden wäre. Zugleich unterstreicht The Elvin Jones Project einmal mehr Chico Freemans herausragende Stellung im Jazz der Gegenwart.