CamJazz – John Taylor, Diego Urcola & Kenny Wheeler

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CamJazz – John Taylor, Diego Urcola & Kenny Wheeler

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JohnTaylor_Cover (CamJazz, VÖ: 16.09.2011)
Zunächst war da die italienische Plattenfirma CAM (Creazioni Artistiche Musicali), die in über 45 Jahren 2.800 Soundtracks produziert hat, darunter wegweisende Schöpfungen von Ennio Morricone und Nino Rota. Im Millenniumsjahr 2000 reifte dann in Produzent Ermanno Basso die Idee heran, neben dem Label für Filmmusik auch eine Plattform zur Begegnung von führenden Jazzern auf der Stiefelhalbinsel und internationalen Jazzgrößen zu errichten. So entstand CAM Jazz. In den gerade mal zehn Jahren seines Bestehens konnte sich das von den Geschwistern Francesca und Agostino Campi geleitete Label weltweit profilieren. Man hat sich mit herausragenden Einspielungen von Edward Simon, Enrico Pieranunzi, Enrico Rava, Martial Solal und Oregon einen Namen gemacht, ließ mit der Entdeckung des erst 16-jährigen Saxophonwunderkindes Francesco Cafiso aufhorchen und wurde bislang fünfmal für den Grammy nominiert.

Heute vereint CAM Jazz unterschiedlichste Stile unter einem Dach und bildet mit seinem umfangreichen Repertoire die ganze Vielfalt der gegenwärtigen Jazzszene ab. Ein weiteres Charakteristikum in der Veröffentlichungspolitik des Unternehmens stellt die hochwertige Klangqualität dar. Man nimmt nur in den allerbesten Studios in Europa und Nordamerika auf, arbeitet dort mit renommierten Sound-Gestaltern zusammen. Die Toningenieure sind seit jeher ein integraler Bestandteil des Kreativkollektivs, weshalb der Labelslogan keineswegs übertrieben erscheint: “CAM Jazz is a great team, making great jazz.”
Ab sofort veröffentlicht Edel:Kultur die Neuheiten von CAM Jazz in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der Backkatalog des in Rom ansässigen Labels wird ebenfalls peu à peu folgen. Zum runden Firmenjubiläum kommen ab August Neuheiten von Diego Urcola, John Taylor und Kenny Wheeler in die Läden, außerdem dürfen sich die Jazzfans schon jetzt auf Re-Releases von Oregon, Richard Galliano, Antonio Sanchez und vielen anderen freuen.
Welcome CAM Jazz – the leading italian jazz label!

John Taylor – Requiem For A Dreamer
John Taylors bewegte Musikerlaufbahn begann bereits in den 60er Jahren, damals machte er gemeinsame Sache mit Alan Skidmore und John Surman. In den 70ern begleitete der Pianist aus Manchester häufig Cleo Laine, des Weiteren gründete er mit Kenny Wheeler und Norma Winstone das gefeierte Trio Azimuth. In den 80ern dann standen Kooperationen mit Miroslav Vitous, Jan Garbarek, Gil Evans und Charlie Mariano auf dem Programm. Wegen seines lyrisch-sensiblen Tastenspiels wurde John Taylor darüber hinaus selbst von Musikern außerhalb des Jazzterrains immer wieder angefragt, so wirkte er etwa 1986 am Avantpop-Meisterwerk “Gone To Earth” von David Sylvian (Japan) mit.
In den vergangenen Jahren hat sich der Brite verstärkt auf seine Tätigkeit als Bandleader konzentriert. Die unter seiner Leitung eingespielten Alben “Angel Of Presence” (2006) und “Whirlpool” (2008) waren im Trioformat mit dem schwedischen Bassisten Palle Danielsson (Keith Jarrett, Lee Konitz, Albert Mangelsdorff) und dem britischen Drummer Martin France (David Gilmour, Elvis Costello, Joe Lovano) entstanden. Auf dem neuen Tonträger “Requiem For A Dreamer”, von der British University Of York in Auftrag gegeben, kommt es abermals zur Begegnung der drei Ausnahmemusiker. Dazu gesellt sich mit Julian Argüelles (HR Big Band, John Abercrombie) ein neuer Mitstreiter. Am Sopran- und Tenorsaxophon bringt der Engländer zusätzliche Klangfarben ein, die bestens zur europäischen Jazzspielart seiner Kollegen passen. Die vorliegenden Kompositionen aus John Taylors Feder sind von SciFi-Schriften, von Romanen, Erzählungen und Gedichten des Autors und Humanisten Kurt Vonnegut inspiriert, was sich bereits an Titeln wie “Slaughterhouse-Five”, “Cat’s Cradle”, “Unstuck In Time” und “Ice 9” unschwer ablesen lässt.

DiegoUrcola_Cover Diego Urcola – Appreciation“Appreciation”, Wertschätzung. Schon im Titel seines jüngsten Albums drückt Diego Urcola die Hochachtung aus, die er für all die Koryphäen empfindet, die ihn in seinem Musikerleben nachhaltig beeinflusst haben. Die neun Eigenkompositionen hier widmet der argentinische Trompeter all den Idolen, die ihn geprägt, ihn zu dem geformt haben, der er heute ist. So zollt er beispielsweise in “Milonga para Paquito” Paquito D’Rivera seinen Tribut. 1991 wurde Urcola Mitglied von dessen Quintett und erfuhr dort eine Förderung, für die er dem Mentor noch immer dankbar ist. Eine weitere Lehrstelle hatte Urcola in Guillermo Kleins Emsemble Los Guachos inne, diesem Ausbildungsabschnitt widmet er sein Stück “Guachos”. In selbstverfassten Titeln spürt Urcola darüber hinaus Vorbildern wie Dizzy Gillespie und Miles Davis nach, erweist ihnen seinen Respekt, manchmal offen in Zitaten, manchmal versteckt und verschlüsselt, sodass nur echte Kenner die Querverweise ausmachen können.
Diego Urcola hat das Trompetenspiel von der Pike auf gelernt. Schon im Knabenalter wurde er am Colegio Ward unterrichtet, sein Vater war dessen Direktor. Als junger Mann schloss er dann erfolgreich ein Studium am Conservatorio Nacional de Música ab, bevor er 1988 für zwei Jahre als Stipendiat ans Berklee College Of Music in Boston ging. Nach seinem Umzug nach New York konnte sich Urcola schnell an der Seite von Slide Hampton, Joe Henderson, Steve Turre und Milt Jackson etablieren. Lange Jahre hielt sich der Mann aus Buenos Aires im Hintergrund, irgendwann verlangt solch ein Talent jedoch nach der großen Bühne. Es war nur eine Frage der Zeit, wann Urcola ins Rampenlicht treten würde. 1999, mit der Herausgabe von “Libertango”, war es so weit. Auf den folgenden Soloalben fand Urcola dann zunehmend zur eigenen Sound-Sprache. Auf “Viva” war dies dem “trumpet player of uncommon technical finesse” (Jazztimes) 2006 so gut gelungen, dass er mit einer Grammy-Nominierung belohnt wurde. Mit “Appreciation” nun hat Diego Urcola sein erklärtes Ziel, die Stimme Argentiniens ins Jazzidiom einzubringen, endgültig erreicht.

KennyWheeler_Cover Kenny Wheeler – One Of Many
Als Kenny Wheeler den Kammerjazz von “One Of Many” einspielte, war er bereits 76 Jahre alt und doch klingt er frisch wie ein junger Mann. Das fabelhafte Spätwerk ist 2006 in den Bauer Studios im schwäbischen Ludwigsburg aufgezeichnet worden, erlebt jedoch erst jetzt seine Tonträgerpremiere. Unterstützt wurde der jung gebliebene Bläser seinerzeit vom langjährigen Weggefährten John Taylor am Klavier sowie von Steve Swallow am elektrisch verstärkten Bass. Alle drei laufen hier zur Bestform auf, es ist ungemein spannend, den magischen Momenten des schlagzeuglosen Trios beizuwohnen.
In den 70er Jahren gehörte Steve Swallow zu den Ersten, die gänzlich vom Kontrabass zum E-Bass wechselten, auf “One Of Many” nun entlockt er den Saiten mit einem Plektrum wunderbar kristallklare Töne. Ein ums andere Mal dringt er in Gitarrenregionen vor und kontrapunktiert das Spiel der beiden Kollegen mit gegenläufigen Melodien. Pianist John Taylor erweist sich erneut als verlässlicher Mitmusikant, seine harmonische Sensibilität wie auch die an der Klassik geschulten Spielfiguren sind eine Bank. Kenny Wheeler schließlich glänzt am Flügelhorn mit einem elegant-warmen Ton, wie man ihn nur ganz selten zu hören bekommt. Wenn der “Duke Ellington unserer Zeit” (Norma Winstone) seine überraschenden Intervallsprünge und das Double-Time-Spiel einstreut, bleiben keine Wünsche mehr offen.
Als Solist (“Gnu High”, “Deer Wan”), in Zusammenarbeit mit Anthony Braxton, Dave Holland und Keith Jarrett sowie als Mitglied von Azimuth und dem United Jazz & Rock Ensemble hat sich Kenny Wheeler einen Status erspielt, wie ihn nur ganz wenige erreichen. Heute genießt er den Ruf eines elder statesman of jazz und alle Welt lobt sein Lebenswerk in den höchsten Tönen. So schwärmt etwa Tonmeister Johannes Wohlleben von den Bauer Studios: “Sein Spiel ist absolut einzigartig.” Und der New Yorker Kollege James Farber ergänzt: “Sein Sound ist einfach überweltlich.”