Blick Bassy – Léman

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Blick Bassy – Léman

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(World Connection; VÖ: 03.04.09) Geboren und aufgewachsen ist Blick Bassy in Kameruns Hauptstadt Yaoundé, im Alter von zehn Jahren wird er jedoch zu den Großeltern aufs Land geschickt, um von ihnen die traditionellen Bräuche seines Volkes zu erlernen und in einem Initiationsritus auf das Leben in der Gemeinschaft der Erwachsenen vorbereitet zu werden. Opa und Oma bringen dem Jungen das Jagen, Fischen und den Ackerbau bei, aber auch die Musikerziehung bildet einen Schwerpunkt in seinem Unterricht. Denn in Mintaba, einem kleinen Dorf in der Mitte des zentralafrikanischen Staates, werden alle Aktivitäten des Alltags von Musik begleitet. Im Rahmen seiner Ausbildung erfährt Blick Bassy mehr über die Musikformen Bolobo (Gesang der Fischer), Dingoma (zur Amtseinführung von Mbombock-Häuptlingen gespielt), Bekele (Hochzeitsmusik), Hongo (Begräbnismusik) und Assiko (zur Tanzunterhaltung).

Nach zwei Jahren in Mintaba kehrt der lernbegierige Schüler nach Yaoundé zurück, dort machen ihn seine Eltern dann mit internationalen Künstlern wie Marvin Gaye, Gilberto Gil und Nat King Cole bekannt. Sie legen häufig deren Platten auf und eröffnen ihrem Sohn damit eine ganz neue Klangwelt. Fünf Jahre später gründet der inzwischen zum jungen Mann herangereifte Kameruner seine erste Band mit dem Namen Jazz Crew. Sie spielt eine Fusion aus afrikanischen Melodien, Jazz und Bossa Nova und wird schnell zur größten Live-Attraktion der Stadt. Jazz Crew gewinnt mehrere Talentwettbewerbe in der Region und wird als jüngste Band aller Zeiten zum “Festival sous les Manguiers” (“Festival unter den Mangobäumen”) eingeladen.

1996 gründet Blick Bassy mit Macase eine weitere gefragte Band. Deren Alben “Etam” (1999) und “Doulou” (2003) ernten nicht nur das Lob der Kritiker, die Musikhörer sind ebenfalls davon angetan. Zudem heimsen Macase zahlreiche regionale und internationale Ehrungen ein, darunter der RFI-Preis für Weltmusik im Jahre 2001, der MASA als beste Gruppe desselben Jahres und ein KORA als beste afrikanische Formation 2003. Neben seiner Rolle als Leadsänger und Hauptkomponist von Macase produziert Blick Bassy 2004 ein Album der HipHop-Hoffnung Koppo. Deren Veröffentlichung “Je Go” in Camfranglais, einer in Kamerun anzutreffenden Sprachmischung aus Französisch, Englisch und lokalen Dialekten, verkauft über 200.000 Einheiten: ein beispielloser Erfolg für ein HipHop-Album aus Kamerun!

2005 beschließt Blick Bassy, nach Frankreich zu gehen und sein Solodebüt vorzubereiten. In Paris gewinnt er schnell viele Anhänger, er tritt umjubelt in berühmten Konzerthallen wie La Scene Bastille und Le Baiser Salle auf, und er arbeitet mit diversen Kollegen aus dem Worldmusic-Bereich zusammen. So kommt es unter anderem zu fruchtbaren Begegnungen mit Manu Dibango, Cheikh Tidiane Seck, Rido Bayonne, Keziah Jones, No Bluff Sound und Etienne Mbappe. Auch eine Kooperation mit dem stilistisch ähnlich gelagerten Lokua Kanza kommt zustande.

Jetzt veröffentlicht Blick Bassy endlich sein international vertriebenes Solodebüt. “Léman” entstand unter Mitwirkung der Produzenten Jean Lamoot (Souad Massi, Nneka, Kassé Mady Diabaté) und Jean-Louis Solans in Paris und in Salif Keitas Studio in Bamako, Mali. Blicks sanft groovende Gitarrenkompositionen werden hier behutsam mit Kora-Klängen und Kalebassen-Perkussion angereichert. Dabei entsteht ein primär akustischer Sound, der afrikanische Elemente mit Zutaten aus Soul, Jazz und R&B verbindet. Blick Bassy lässt uns an seinen Kindheitserinnerungen teilhaben und nimmt uns tief in die Wälder von Mintaba mit. Gleichzeitig bricht er mit seiner warmen, samtenen und sonnendurchfluteten Musik aber auch zu neuen Ufern auf, irgendwo da draußen in der Welt. Oder um es mit dem Künstler selbst zu sagen: “Das Wort ‘léman’ bedeutet Spiegel. Ich habe mir selbst in die Augen geschaut und weiß genau, was ich erreichen will: Ich will meine Musik mit der Welt teilen und bin auf dem besten Weg dahin.”