V.A. – Blue Note Plays Bossa Nova

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V.A. – Blue Note Plays Bossa Nova

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(EMI/ Blue Note) Es begann alles Ende der 1950er Jahre, als Brasilien einen politischen und wirtschaftlichen Umbruch erlebte. Der gut aussehende Antonio Carlos Jobim, von seinen Freunden Tom gerufen, verdingte sich mehr schlecht als recht als Barpianist an den Strandpromenaden von Rio de Janeiro. João Gilberto, aus Bahia in die Stadt des „Januarflusses“ gekommen, schlug sich meist mittellos als Sänger, Gitarrist und Überlebenskünstler durch. Da sich die beiden in denselben Musikerkreisen bewegten, war es nur eine Frage der Zeit, wann sie sich irgendwo über den Weg laufen würden. Das erste Aufeinandertreffen im Künstlerviertel Ipanema darf man getrost als schicksalhafte Begegnung bezeichnen. Schon bald nach dem Kennenlernen arbeiteten die zwei eifrig an einer gemeinsamen Vision, an einem neuen Sound. Die große Stunde ihrer Stilmischung aus Samba Canção und Cool Jazz kam 1958, als João Gilberto „Chega de Saudade“ aus der Feder von A.C. Jobim auf einer Single veröffentlichte und damit sämtliche Verkaufsrekorde in Brasilien brach. Die Bossa Nova war geboren!
Ein Jahr später lief Marcel Camus‘ „Orfeu Negro“ in den Kinos an. Der beim Festival in Cannes preisgekrönte Spielfilm, der Orpheus und Eurydike aus der griechischen Mythologie in den brasilianischen Karneval verlegt, war mit einem Soundtrack von Jobim und Luiz Bonfá ausgestattet und trieb die Verbreitung der Bossa Nova kräftig voran. 1963 trat die junge Musikrichtung dann ihren Siegeszug um die Welt an. In diesem Jahr spielten Stan Getz, A.C. Jobim, João Gilberto und dessen damalige Ehefrau Astrud in nur zwei Tagen in New York den Meilenstein „Getz/Gilberto“ ein. Das Album ging in Amerika binnen kürzester Zeit zwei Millionen Mal über die Ladentheke, es hielt sich sage und schreibe 96 Wochen in den Charts und bescherte der Bossa Nova den Durchbruch im globalen Maßstab.
Seither ist die Klangvariante von der musikalischen Weltkarte nicht mehr wegzudenken. Legionen nachwachsender Künstler von Sergio Mendes über Matt Bianco bis zu Bebel Gilberto sorgten dafür, dass die Bossa Nova bis zum heutigen Tage nichts von ihrem Charme verloren hat. 2008 wird sie nun fünfzig Jahre alt. Aus Anlass des runden Geburtstags haben Blue Note und Capitol die Türen ihrer Schallarchive weit geöffnet. Die Labels geben Compilations ausgewählter Stücke und 13 Re-Releases wegweisender Alben heraus. Zudem erscheinen pünktlich zum Jubiläum mehrere Neueinspielungen im Bossa-Nova-Format. Im Folgenden seien einige Höhepunkte des Veröffentlichungspakets ausführlicher vorgestellt.

Various Artists – „Blue Note plays Bossa Nova“ (3 CD)

In der Rangliste der weltweit meistgespielten Songs nimmt „The Girl From Ipanema“ Platz zwei ein, gleich hinter „Yesterday“ von den Beatles. In der Fassung von Lou Rawls selig eröffnet der Evergreen das rappelvolle 3-CD-Set „Blue Note plays Bossa Nova“. Nebenbei bemerkt: Das Mädchen aus Ipanema gab’s wirklich. Es hieß Heloisa Eneida Menezes Paes Pinto, war achtzehn Jahre jung und kam häufig in die Veloso-Bar, um Zigaretten für die Mutter zu kaufen. Tom Jobim und sein Texter Vinícius de Moraes waren vom wiegenden Gang der Schönheit so begeistert, dass sie ihr den genannten Song widmeten.
Neben diesem Edelklassiker, den Astrud Gilberto einst zur Unsterblichkeit adelte, enthält die Zusammenstellung zahlreiche weitere Perlen der Bossa-Nova-Gattung. So darf sich der Zuhörer beispielsweise auf „Corcovado“ (hier in Fassungen von Grant Green und der zauberhaften Blossom Dearie vertreten), „Insensatez“ (Nancy Wilson) und „Waters of March“ (Cassandra Wilson) freuen. „Chega de Saudade“ (Eliane Elias), „Dindi“ (Jackie Allen) und „Wave“ (Stanley Turrentine) sind ebenfalls mit von der Partie. Insgesamt 45 wunderbar leichte Titel hat Blue Note aus seinem Fundus geholt. In denen dreht sich alles um schöne Frauen und die Liebe, das Strandvergnügen am Tag und die sinnlichen Freuden der Nacht. Besser kann man den sorgenfreien Lifestyle der Bossa Nova nicht wiedergeben.

VÖ: 13.06.08