Robert Glasper – In My Element

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Robert Glasper – In My Element

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cover_InMyElement_web.jpgGleich mit „Canvas“, seinem ersten Album für Blue Note, etablierte sich Robert Glasper als einer der vielversprechendsten jungen Pianisten der amerikanischen Jazzszene. Das People Magazine verglich ihn mit Ikonen wie Herbie Hancock und Chick Corea. Time Magazine pries seine improvisatorische Kreativität und technische Perfektion. Und das Vibe Magazine fand in dem bemerkenswerten Debüt gute Gründe, warum so unterschiedliche Künstler wie Roy Hargrove, Terence Blanchart, Carly Simon und Mos Def den aus Houston, Texas stammenden Pianisten als Gastmusiker verpflichtet hatten. Aber nicht nur Glaspers raffinierter Stil, sein warmer Anschlag und sein kompositorisches Talent wurden gewürdigt, auch sein präzise und inspiriert aufspielendes Trio mit Vicente Archer am Kontrabass und Damion Reid am Schlagzeug erntete großen Zuspruch. Ben Ratcliff von der New York Times etwa stellte das Robert Glasper Trio auf eine Stufe mit den besten neuen Pianotrios, mit denen, die von Jason Moran, Bill Charlap und Brad Mehldau geleitet werden. Dass solche Lobeshymnen nicht nur einem einmaligen Geniestreich zu verdanken sind, demonstriert das Robert Glasper Trio nun mit seinem neuen Album „In My Element“, das mit einem kühnen Brückenschlag zwischen Jazztradition, modernem Mainstream und unüberhörbaren HipHop-Einflüssen alle durch „Canvas“ geweckten Erwartungen noch übertrifft.Fotoweb2.jpgVom temperamentvollen Albumeinstieg „G&B“ über den munteren Walzer „Of Dreams To Come“ bis zur genialen Verschmelzung von Radioheads „Everything In Its Right Place“ mit dem Herbie-Hancock-Klassiker „Maiden Voyage“ zeigt Glasper eine stilistische Raffinesse und künstlerische Reife, die weit darüber hinausgeht, was ein Musiker normalerweise im Alter von 27 Jahren erreichen kann. Zudem enthält „In My Element“ ein Füllhorn an innovativen und gewagten Ideen, die die Entwicklung des Pianotrios im neuen Millennium entscheidend prägen könnten. Dazu gehören diverse Ingredienzien, die von der Klangästhetik des HipHop geprägt sind. Dass hier der Bass oft fetter und prägnanter klingt als im Jazz üblich, ist nur ein Indiz dafür, dass Glasper wie viele andere seiner Generation mit Rapmusik aufgewachsen ist. Ein weiteres sind die Intermezzi am Ende beinahe jeder Aufnahme, mit denen bereits das Motiv des nächsten Stücks eingeführt wird. Diese Methode des Ein- und Ausblendens von Melodie-, Geräusch- oder Rhythmussequenzen wie sie für moderne HipHop-Produktionen typisch ist, sorgt für einen steten Fluss mit Sogwirkung.

„Die Intermezzi sind bis auf ein, zwei Ausnahmen, bei denen ich auf wirkliche Songpassagen zurückgegriffen habe, alle das Ergebnis zwangloser Improvisationen“, erläutert Robert Glasper. „Aus einer großen Anzahl an Skizzen und Klangschnipseln, die wir aufgenommen hatten, habe ich die ausgewählt, die zum Fluss des Albums am besten passen. Ich habe noch nie gehört, dass jemand so etwas vorher auf einem Jazztrioalbum versucht hätte.“

Am offensichtlichsten ist der HipHop-Einfluss bei „J Dillalude“, einer Hommage an den HipHop-Pionier und -Produzenten J Dilla, der im Februar letzten Jahren unter tragischen Umständen starb. „Um die Millenniumswende herum habe ich mit Dilla in Detroit gearbeitet und eine Woche bei ihm Zuhause gewohnt“, erinnert sich der Pianist, der die renommierte High School Of Performing Arts in Houston absolvierte, bevor er an der New School University in Manhattan studierte. „Wann immer er danach nach New York kam, sind wir zusammen essen gegangen. Dilla hat großen Anteil daran, dass der Beat heute ganz anders wahrgenommen wird als früher. Er hat auch meine Art Musik zu machen verändert, vor allem wie ich Akkordstrukturen über bestimmte Takte lege. Viele Schlagzeuger sind regelrechte Dilla-Fans. Von ihm haben sie gelernt, wie ein komplexer Groove klingen muss, wo die Snare platziert wird, wie der Abstand zum Hi-Hat und zur Basstrommel sein muss.“

Fotoweb11.jpg„J Dillalude“ beginnt mit der gesampelten Stimme des populären Rappers und Produzenten Q-Tip, der Glasper vorschlägt, er solle doch einige so genannte „Dillajoints“ aufnehmen, aber im „trio-style“. Die folgen stante pede, jedoch nicht als Studioaufnahmen, sondern in Form diverser ineinander übergehender Konzertmitschnitte. Das Trio zeigt hier, dass es auch vor Publikum die Klaviatur des HipHop beherrscht. „Viele Jazz-Cats sind der Meinung, dass Jazz frei sein muss, dass man spielen darf, was man will. Aber um den Groove à la Dilla genau zu treffen, braucht es Disziplin.“

Q-Tip ist nicht der Einzige, den Robert Glasper als Sample einsetzt. Sein Patenkind singt ein Lied durch ein Telefon und auf dem introvertierten Albumausklang „Tribute“ hat er die Stimme des Reverend Joe Ratliff verewigt, der eine ergreifende Gedenkrede für Glaspers verstorbene Mutter hält. Sie war sein erster und zugleich stärkster musikalischer Einfluss. Sie spielte nicht nur Piano und sang Gospelmusik in der Kirche, sondern leitete auch eine Band, die regelmäßig in den Jazz- und Bluesclubs in Houston und der Umgebung gastierte. Im Alter von zwölf Jahren spielte Robert dann selbst Piano in der Kirche, in der seine Mutter Gospel sang. Dieser religiösen Tradition ist das rhythmisch komplexe „Youatta Praise Him“ verpflichtet, das mit einem auf Glaspers Lieblingskirchenliedern basierenden Piano-Intro beginnt.

Trotz seines Gospel-Hintergrunds und der vielfältigen Verbindungen zum HipHop-Universum – außer mit den bereits genannten hat Robert Glasper unter anderen mit The Roots, Common, Talib Kweli und Slum Village gearbeitet – ist „In My Element“ natürlich in erster Linie ein Jazzalbum, das die gesamte moderne Klaviertrio-Tradition verinnerlicht hat. Wie virtuos Glasper mit den Vorbildern umgeht, verdeutlicht die kunstfertige Ballade „One For Grew“, die von dem auch als Sideman von Cassandra Wilson und Dianne Reeves bekannten Pianisten Mulgrew Miller inspiriert ist, den Glasper einst in der High School während eines Jazz-Camps persönlich kennenlernte. „Ich habe ihn überredet, mir eine Klavierstunde zu geben. Er ist für mich der Größte überhaupt. Er ist fest in der Tradition verankert und klingt trotzdem modern. Er konserviert die Musik und erschafft gleichzeitig neue.“

Diesem Vorbild folgend gelingt ihm mit „Beatrice“ eine überaus phantasievolle, zeitgemäße Interpretation einer Komposition des Jazztitanen Sam Rivers. Ohne Zweifel ist Robert Glasper in seinem Element, wenn er als Musiker nach Herausforderungen sucht. Dabei favorisiert der junge Pianist ungewöhnliche Rhythmen und Harmonien von hintergründiger Komplexität, stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. „Wir beschweren uns dauernd, dass die jüngere Generation keinen Jazz mehr hört. Dem versuche ich entgegenzuwirken, in dem ich Elemente in den Jazz hineinbringe, mit denen auch jüngere Leute etwas anfangen können, auch weil sie diese schon mal anderswo gehört haben, etwa auf HipHop-Alben. Das spricht sich herum. Inzwischen kommen auch HipHop-Anhänger und Gospelfans in unsere Konzerte. Und das Publikum wird immer jünger.“ Brückenschläge für eine neue Jazzgeneration – Robert Glasper voll und ganz in seinem Element.

(EMI, Blue Note)

VÖ: 27.04.07

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