Paolo Fresu & Omar Sosa feat. Jaques Morelenbaum – Alma

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Paolo Fresu & Omar Sosa feat. Jaques Morelenbaum – Alma

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untitled (Ponderosa, VÖ: 01.06.2012)
Der kubanische Pianist Omar Sosa und der italienische Trompeter/Flügelhornspieler Paolo Fresu mögen weit voneinander entfernten Erdregionen entstammen und unterschiedlichen Kulturräumen angehören, ihr Klangverständnis ist jedoch erstaunlich ähnlich, vielfach sogar deckungsgleich. Auf dem Duo-Album „Alma“ (spanisch für „Seele“) verfolgen die beiden ein gemeinsames musikalisches Ziel, bei dem es ihnen neben kompositorischer Raffinesse und virtuoser Spieltechnik stets auch um Poesie, Wahrhaftigkeit und Spiritualität geht.

Der New Jazz der Ausnahmeinstrumentalisten schlägt klanglich eine Brücke von Kuba nach Italien, vom Karibikgebiet der Großen Antillen zur mediterranen Stiefelhalbinsel. Neben ihren Hauptinstrumenten sind Fresu und Sosa hier mittels Overdub-Verfahren auch an diversen Perkussionsinstrumenten und computerakustischen Tonerzeugern zu hören, wodurch der Sound viel dichter wird, als man es von nur zwei Personen erwarten würde. Die immensen Klangmöglichkeiten moderner elektronischer Gerätschaften nutzen die beiden allerdings nie zur Effekthascherei, Synthesizer und Sampler werden vielmehr zu integralen Bestandteilen ihrer Musik zwischen Jazz, Afrokubanischem und Folklore vom Mittelmeer.
Ganz entscheidend war für Fresu und Sosa, die richtige Balance zwischen Elektronik- und Akustikinstrumenten zu finden, denn in erster Linie kommt es ihnen immer auf Emotionen, auf Ausdruck und das Erzeugen magischer Momente an. Und davon gibt es auf „Alma“ jede Menge, egal welche Musikrichtung gerade vorherrscht. Die breitgefächerte Stilpalette reicht vom rhythmusbetonten Fusionjazz („No Trance“) und träumerischen Balladen („Alma“) über Ohrwürmer zum Mitsingen („Rimanere Grande!“) und schwebende Klangmalereien („Inverno Grigio“) bis zur klassizistischen Elegie („Crepuscolo“). Ein besonderes Schmankerl hat das Zweiergespann darüber hinaus mit einer originellen Coverversion von „Under African Skies“ in petto. Das Stück, das ursprünglich auf Paul Simons Bestseller „Graceland“ zu finden war, verwandelt man in „ein Treffen zwischen [Miles] Davis, Bobby McFerrin, Jacqueline du Pré und Abdullah Ibrahim“, wie es das Internetportal AllAboutJazz.com treffend umschreibt. Wer bei diesem heiteren Stück keine gute Laune bekommt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
Die erste Begegnung zwischen Omar Sosa und Paolo Fresu fand 2006 statt. Seinerzeit lud Sosa seinen geschätzten Kollegen Fresu zu einem Konzert in den NDR Studios in Hamburg ein, woraus wenige Monate später das Livealbum „Promise“ hervorging. 2009 tourten die beiden gemeinsam durch Italien, wodurch das freundschaftliche Band zwischen ihnen noch gefestigt wurde. Im Mai 2011 kam es dann in Udine zur Aufnahme des vorliegenden Albums. Nachdem die Basisspuren von „Alma“ im Kasten waren, entstand die Idee, bei einigen Stücken noch ein paar Zusatzspuren von Cellist Jaques Morelenbaum (A.C. Jobim, Caetano Veloso, Ryuichi Sakamoto) einspielen zu lassen. Sosa hatte den Brasilianer schon 2010 als Arrangeur für sein Album „Ceremony“ hinzugezogen, er bewundert dessen vielfältige Talente als Instrumentalist, Komponist und Dirigent seit langem. Als er im August 2011 zu einem Auftritt nach São Paulo reiste, konnte Morelenbaum dann vor Ort vier Titel auf „Alma“ mit herrlichen Cellopassagen veredeln.
Paolo Fresu zählt bereits seit drei Dekaden zu den führenden Musikern in der europäischen Jazzszene. Der Mann aus der Gemeinde Berchidda auf Sardinien hat an über 220 Alben mitgewirkt, über 30 davon bestritt er als Bandleader. Seine Tour- und Studiohistorie umfasst Kooperationen mit Größen wie Carla Bley, Gerry Mulligan und Ralph Towner. Zu Beginn der Karriere wurde das Trompetenspiel des Italieners oft mit dem von Miles Davis verglichen, schnell emanzipierte er sich jedoch von dem großen Vorbild und fand zu einem ureigenen Sound. Neben Arbeiten im angestammten Jazzterrain komponiert der vielfach preisgekrönte Künstler auch fürs Theater, Ballett, Fernsehen und Film. In seiner stiloffenen Ästhetik ist dabei Platz für alle Arten von Jazz, Klassik und die Volksmusik seiner sardischen Heimat.
Omar Sosa steht dieser eindrucksvollen Biographie in nichts nach. Der bereits sechsmal für den Grammy nominierte Pianist aus Camagüey im Landesinneren von Kuba gibt an die 100 Konzerte im Jahr, hat zwei Dutzend Alben unter eigenem Namen veröffentlicht und war mit Paquito D’Rivera, Greg Landau sowie der peruanischen Sängerin Susana Baca im Studio. Sein Klavierspiel ist von Landsmann Chucho Valdés ebenso beeinflusst wie von Thelonious Monk, Herbie Hancock und Chick Corea. Sosa gehört sicher zu den wandlungsfähigsten Jazzern unserer Zeit, in seinen Personalstil hat er neben dem afrokubanischen Jazz seiner Heimat auch Karibikrhythmen, Gnawa-Gesänge aus Nordafrika, die Folklore der Esmeraldas in Ecuador und Klassikelemente aufgenommen. Zudem spielt die Spiritualität der Santería-Religion in seinen Werken eine große Rolle.
Die neue Duo-Arbeit „Alma“ vereint viele der vorgenannten Stilmomente nun zu einem wunderbar harmonischen, beruhigenden Gesamtsound. In insgesamt zwölf zauberhaften Instrumentalstücken erweisen sich Paolo Fresu und Omar Sosa einmal mehr als wahre Klangmagier. „Mit ‚Alma‘ haben sie ein Werk voller Leben, Liebe und Seele erschaffen. Diese Musik ist es wert, voll ausgekostet zu werden“ (AllAboutJazz.com).