Oscar d’Leon – Live in Caracas [+ Tour]

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Oscar d’Leon – Live in Caracas [+ Tour]

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QM218_Oscar_v2.0.indd (Q-rious Music, VÖ: 26.10.2012)
Oscar D’León ist der geborene Showman. Sobald er irgendwo die Bühne betritt, brennt im Nu die Hütte. Als dynamischer Sänger, spielfreudiger Bassist und humorvoller Entertainer verwandelt der Mann mit dem struppigen Schnurrbart und dem stets kahlrasierten Schädel jedes Konzert binnen weniger Takte in eine ausgelassene Tanzparty. Garantiert!

Ein Paradebeispiel für die ansteckende Wirkung solch einer Salsa-Sause findet der Musikfan auf dem schlicht „Live“ betitelten Album, das der Venezolaner bei einem umjubelten Auftritt in seiner Geburtsstadt Caracas mitschneiden ließ. Der begann mit dem Beny-Moré-Klassiker „Mata Siguaraya“ aus den 1940er Jahren gleich extrem hitzig und endete, nachdem sowohl die Musiker des 20-Mann-Orchesters als auch das Publikum nassgeschwitzt waren, genauso hitzig mit „A Él“, einem von Oscar D’León und Victor Mendoza gemeinsam verfassten Titel. Dazwischen lief an jenem Abend wie am Schnürchen eine energiegeladene Nonstop-Show ab, die Tanzwilligen im Auditorium kaum Zeit zum Luftholen einräumte. Zunächst brachte D’León mit der heißblütigen Eigenkomposition „Detalles“ (Einzelheiten) und seinem bisher größten Hit „Llorarás“, ohne den ihn die Konzertbesucher nie von der Bühne lassen, die Stimmung zum Kochen. Auch das nachfolgende „Mi Bajo y Yo“ von Victor Mendoza aus Mexiko, seines Zeichens Fakultätsmitglied am Berklee College of Music, kam äußerst temperamentvoll rüber. Danach drosselte man im romantischen Duett „Reconciliación“, das von der Aussöhnung eines zerstrittenen Paares handelt, ein wenig das Tempo. Und beim Evergreen „Frenesí“, den bereits Größen wie Linda Ronstadt, Cliff Richard, Frank Sinatra, Caterina Valente und Perez Prado im Repertoire hatten, gab’s anschließend ebenfalls eine kurze Gelegenheit zum Verschnaufen. Die war auch nötig, denn zum Endspurt hin wurde die Geschwindigkeit im beliebten Ranchera-Titel „Cielito lindo“ (Mein schöner Liebling) aus dem Jahr 1882 und Tito Puentes Cha-Cha-Cha „Oye Como Va“ (von Carlos Santana einst auf „Abraxas“ in einer Latinrock-Fassung weltberühmt gemacht) dann noch einmal merklich angezogen, sodass auf Seiten der Zuhörer die letzten Energiereserven mobilisiert werden mussten. Uff! Von der ersten bis zur letzten Note eine schweißtreibende Angelegenheit!
Oscar D’León ist durch und durch Musik. Das zeigt diese Aufzeichnung aus dem Teatro Teresa Carreño in Caracas, und das lässt sich an seiner gesamten Lebensgeschichte und Karriere ablesen. Bereits als Kind fühlte sich der im Arbeiterviertel Parroquia Antímano aufgewachsene Venezolaner von lateinamerikanischen Klängen magisch angezogen, wenn er irgendwo Musik von Beny Moré, Matancera oder auch Matamoros hörte, konnte er nicht anders, er musste einfach mitsingen und die Dinge um ihn herum in Perkussionsinstrumente umfunktionieren. In der Schule eckte er seinerzeit häufig an, weil er, statt still zu sitzen und dem Unterricht zu folgen, lieber auf der Bank vor ihm herumtrommelte und dazu mit dem Mund irgendwelche Bassparts nachahmte. Schon bald war ihm das So-tun-als-ob nicht mehr genug und er brachte sich selbst das Spiel des Kontrabasses bei. Nach der Schulausbildung jobbte Oscar Emilio León Somoza (so der vollständige Name) tagsüber als Fabrikarbeiter am Fließband, Automechaniker und Taxifahrer, nachts jedoch frönte er seiner Leidenschaft und stieg mit dem Bass regelmäßig bei Conjuntos in der Nachbarschaft ein.
Auf seinen Taxifahrten unterhielt der junge Mann die Fahrgäste damals gern als Sänger. Einer dieser Fahrgäste war der Perkussionist José Rodríguez, der sofort die Musikbegabung seines Chauffeurs erkannte und ihn zu einer Probe der Gruppe El Clan de Victor einlud. Kurz danach wurde das Nachwuchstalent als Vollmitglied aufgenommen und in Oscar D’León umbenannt. Da ihn ein Verkehrsunfall etwa zur selben Zeit ohnehin zwang, seinen Job als Taxifahrer aufzugeben, setzte er alles auf eine Karte und wagte den Schritt ins Profilager. Als Mitglied der etablierten Formation La Distincíon verdiente er schon bald gutes Geld. Anfangs nur am Bass, nachdem der Leadsänger eines Abends jedoch ausfiel und D’León kurzerhand überaus erfolgreich für ihn einsprang, immer häufiger auch in dieser Rolle.
1972 gründete der aufsteigende Stern am Salsahimmel dann mit befreundeten Kollegen La Dimensión, mit „Pensando en ti“ konnte er erstmals an Hitlorbeeren schnuppern. Die höchste Chartplatzierung seiner Laufbahn folgte drei Jahre später mit „Llorarás“, und die war einer schicksalhaften Fügung geschuldet: Als La Dimensión 1975 im Studio an einer weiteren LP arbeiteten, fehlte zur Fertigstellung noch ein einziger Song. Was tun? Oscar D’León schlug spontan sein damals noch unfertiges Stück „Llorarás“ vor, das wurde kurzentschlossen in einem Ad-hoc-Arrangement vollendet und wenige Wochen später stand die Komposition des Autodidakten weltweit ganz oben in den Airplay- und Verkaufsstatistiken.
Der Durchbruch im globalen Maßstab öffnete viele Türen, so konnte die Band und ihr Leader nun endlich den gesamten amerikanischen Kontinent bereisen und überall wurde ihre infizierende Latin Music frenetisch willkommen geheißen. Nach gruppeninternen Streitereien rief der singende Bassmann erste eigene Ensembles ins Leben, 1977 unter dem Namen Oscar D’León y su Salsa Mayor, 1978 als Oscar D’León y su Orquesta. Seit dieser Zeit ist der Venezolaner aus der internationalen Salsaszene nicht mehr wegzudenken, sein Name bürgt für höchste Qualität. Mehrere Dutzend Alben, Tourneen in über 100 Ländern auf allen Kontinenten und ausverkaufte Konzerte in renommierten Häusern wie dem Madison Square Garden haben Oscar D’León schon zu Lebzeiten den Status einer Legende verliehen. Der Salsero, der von den Fans liebevoll „El León de la Salsa“ (Der Löwe des Salsa), „El Faraón de la Salsa“ (Der Pharaoh des Salsa) oder auch „El Diablo de la Salsa“ (Der Teufel des Salsa) genannt wird, ist selbst nach mehreren Herzinfarkten zwischen 2003 und 2009 nicht zu stoppen, mit 69 Jahren strotzt er immer noch vor Vitalität und Lebensfreude. Sein Elixier: feurige Salsamusik und die beglückende Treue seiner Anhänger überall auf der Welt. Oder um’s mit den Worten des Musikers selbst zu sagen: „Meine Message hat nichts mit Ökologie oder Politik zu tun, ich will einfach nur erreichen, dass die Leute Spaß haben und sich an mich erinnern als jemanden, der sie liebt.“

Tourtermine
29.10.2012, 21:00 Uhr Berlin, Huxleys Neue Welt
30.10.2012, 21:00 Uhr Hamburg, Fabrik
05.11.2012, 21:00 Uhr München, Muffathalle
07.11.2012, 20:30 Uhr Köln, Gloria Theater
08.11.2012, 21:00 Uhr Darmstadt, Centralstation