Netsayi – Monkey’s Wedding

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Netsayi – Monkey’s Wedding

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4 PG Digipack.qxd Der Worldmusic-Bereich ist kein Tummelplatz für Sternchen, Pop-Püppchen und Superstar-Gewinner. Eher schon eine (politisch tolerierte) Spielwiese für Künstlerinnen und Künstler, die etwas zu sagen haben und kein Blatt vor den Mund nehmen. Wie Netsayi! Konsequent, kompromisslos und selbstbewusst geht die britisch-simbabwische Sängerin ihren Weg. „Ich besitze weder ein Alter Ego für die Bühne, noch ein Auftrittskostüm. It’s just me,“ sagt sie, „ich bin eine wirkliche Person die echte Musik macht über reale Dinge, die mich beschäftigen.“ Nicht umsonst heißt es über ihr 2006er-Debüt „Chimurenga Soul“: „Ein kraftvolles Album einer ausdrucksstarken Künstlerin, die nichts (vor-)spielt, sondern dank ihrer multikulturellen Erfahrung aus dem Vollen schöpft. Jeder Ton dieser Scheibe berührt – das ist das Leben!“ (RSZ)
Ausdrucksstark, kraftvoll und berührend zeigt sich Netsayi auf „Monkey’s Wedding“ nicht nur in jedem Ton. Auch in ihren Texten geht es um die bewegenden Fragen des Daseins: Liebe & Leid des Menschen. Der sanft treibende Singlebote „Punch Drunk“ [1] kündet in leichtfüßiger Singer/Songwriter-Manier von den Schmerzen, die das Leben für Liebende bereit hält. Das klavierbegleitete „Jacarandas“ [12] beschäftigt sich elegisch mit der westlichen Sicht auf Simbabwe, unsere mediale Betrachtung der politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse vor Ort und unsere suggestive Einschätzung der simbabwischen Lebensverhältnisse. Gilberto Gils „Queremos Saber“ [8] ist inhaltlich ein gefundenes Fressen für die engagierte Musikerin, thematisiert er doch Regierungen und ihre Maßnahmen, das eigene Volk unter Kontrolle zu halten. Zusammen mit „Ishe Komberera Afrika“ [6] hüllt Netsayi beide Titel in ein prachtvolles Reggae-Kleid. Das balladeske „Georgie“ [10] und das afrikanisch groovende „Don’t Wake Me Up“ [11], kümmern sich abermals um die Farbenvielfalt menschlicher Beziehungen. „Teenagers“ [7], das sich musikalisch deutlich auf ihre simbabwische Heimat bezieht, thematisiert die Vielgestaltigkeit pubertärer Probleme und Aspirationen.
Davon weiß Netsayi mehr als ein Lied zu singen: 1973 in London geboren, zieht sie 1980 in das unabhängige Simbabwe. „Ich glaube, ich sehnte mich nach meiner ‚Heimat‘ und meinen Wurzeln, bevor ich überhaupt wusste, was Sehnsucht war.“ Ihr Herzenswunsch nach Heimat und Roots wurde durch ihren 20jährigen Aufenthalt in Simbabwe zwar gestillt, das Resümee zieht Netsayi jedoch verhalten. „Alles was wir wollten, war, das Land zu verlassen. Wir dachten, ‚the grass was always greener somewhere else‘.“ Nach der Schulzeit in Simbabwes Hauptstadt Harare, studiert sie „Visual Arts“ und wirkt an einigen Film- und TV-Produktionen in Simbabwe und Südafrika mit, bevor sie sich ganz der Musik verpflichtet und 2001 nach London zurück kehrt. Dort führt sie ihre einfühlsame, kraftvolle Stimme schnell auf die großen, prestigeträchtigen Bühnen der Insel (u.a. Royal Albert Hall). 2004 veröffentlicht Netsayi ihre Debütsingle „Tatters“. Es folgen einige Radiokonzerte und das Songwriting für ihr Debüt „Chimurenga Soul“, das 2006 das Licht der Welt erblickt.
Trotz begeisterter Fachkritik kommt „Chimurenga Soul“ hierzulande nicht über den Status des Geheimtipps hinaus. Diesen hat Netsayi in ihrer englischen Heimat längst hinter sich gelassen. Auf ihren zahlreichen Gigs gilt ihr Blick stets dem musikalischen Wachstum und der Erkenntnis. „Was wir live spielten und was auf der CD zu hören war, waren sehr unterschiedliche Dinge. Ich weiß zwar, dass der Produktionsprozess ein Eigenleben beginnt zu führen, aber das Ergebnis ist immer wieder überraschend“, stellt sie wissenshungrig fest. Eine freudige Überraschung bereiten ihr diesbezüglich ihre neuen Knöpfchendreher. Angefertigt von Jonathan Quarmby and Kevin Bacon, die ihre Finger bereits bei den Erfolgen der Sugababes, Ziggi Marley, Oi Va Voi und The Pretenders im Spiel hatten, greift Netsayi dieses Mal auf die Erfahrung zweier alter Produzentenhasen zurück. Mit dem Gesamtergebnis zufrieden, freut sich Netsayi, die Herausforderung des gefürchteten zweiten Albums gemeistert zu haben: „‚Monkey’s Wedding‘ ist die natürliche Evolution thematischer und musikalischer Ideen, die auf ‚Chimurenga Soul‘ ihren Anfang nahm. Musikalisch betrachtet ist es ein Hybrid, ein Mischwesen, das alle meine Ursprünge aus Afrika und der westlichen Welt zu einem kohärenten, emotionalen Ganzen bündelt.“ Treffender kann man es kaum in Worte fassen. Mit „Monkey’s Wedding“ gelingt Netsayi ein auf allen Ebenen gelungenes Ganzes, das sie als eigenwillige und außergewöhnliche Künstlerin kennzeichnet.