Neco Novellas – New Dawn Ku Khata

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Neco Novellas – New Dawn Ku Khata

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(World Connection) „Dieses Album ist meine Antwort auf die Globalisierung, nicht in einem politischen sondern im musikalischen Sinn„, sagt Anselmo João Johanhane alias Neco Novellas über „New Dawn – Ku Khata“. „Es handelt von Musik als einer universellen Sprache.“ Der Sänger und Gitarrist aus der ehemaligen portugiesischen Kronkolonie und Überseeprovinz Mosambik präsentiert auf seinem zweiten Album einen weltweit verständlichen Sound mit afrikanischen Wurzeln. Die Bandbreite reicht von Pop, Rock und Funk über Jazz, Afrobeat und Reggae bis zu Gospel und Klassik und reflektiert somit die enorme Vielseitigkeit des Schwarzafrikaners. Die ist ihm extrem wichtig: „Ich habe mich nie auf ein Musikgenre festgelegt. Warum auch? Ich genieße den Reichtum der Musik von überallher und nutze alles davon.

In vierzehn sehr persönlichen Titeln singt der Mosambikaner mit tiefer, seidiger Stimme von „Erfahrungen aus dem Alltagsleben, Natur, Ritualen, Familie und Freunden. Jeder Song hat seine eigene Geschichte. Sie alle erzählen von meinen eigenen Erfahrungen“ (Originalton Neco Novellas). Den Sprachmix aus mosambikanischen Dialekten, südafrikanischem Zungenschlag, Portugiesisch und Englisch werden zwar nur wenige Hörer verstehen, doch es ist gar nicht nötig, die Songtexte in allen Einzelheiten zu begreifen. Denn Novellas Musik „wendet sich ans Herz und ist in jeder Sprache verständlich“, wie der multilinguale Globetrotter treffend anmerkt.

Seine Musikbegeisterung begann sehr früh, der Spross einer Großfamilie kam schon im Kindesalter mit allen möglichen Klangformen in Berührung. Vater João Jotamo Johanhane spielte zu Hause Gitarre und Elektroorgel, Mutter Gertrudes Sofia Vilanculos war Mitglied im örtlichen Chor der katholischen Kirche. Ihre acht Kinder lernten übers kirchliche Engagement bereits in jungen Jahren die westliche Klangkultur kennen, Radio Mosambik machte sie mit Pop, Jazz und der Folklore aus anderen Erdregionen vertraut.

„Seitdem ich das erste Mal Klänge um mich herum bewusst gehört habe, bin ich begeistert von Musik“, so erläutert Neco Novellas seine Leidenschaft, die schließlich zum Beruf wurde. „Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich an der Tür unserer südafrikanischen Nachbarn, die aus ihrem Land geflohen waren, gelauscht habe. Sie sangen bei religiösen Zeremonien Vokalharmonien in Zulu und Siswati. Ihr Gesang drückte die Sehnsucht nach der Heimat aus und die Traurigkeit, die sie fühlten. Die Musik munterte sie auf. Heute ist mir klar, dass ihre Musik Spuren in mir hinerließ.“ Im Eröffnungstitel „Ku Khata“ sind die ganz offensichtlich, der A-Cappella-Chor darin erinnert an den Gospelgesang südafrikanischer Townships und geht somit direkt auf das soeben geschilderte Kindheitserlebnis zurück.

Wie in diesem Fall erkundete Novellas immer wieder mit Feuereifer alles, was an seine Ohren drang. Besonders auf seinen Reisen sammelte er voller Neugier alle Klangeindrücke. Als junger Mann brach er Richtung Europa auf und trieb an den Orten, die er besuchte, seine Musikausbildung voran. Mit einem Stipendium in der Tasche landete der wissbegierige Mosambikaner schließlich an der Academia de Musica Eborense und später an der Universidade de Musica de Evora. Fünf Jahre studierte er Gesang und Klassische Gitarre in Portugal, danach vervollkommnete er seine Fertigkeiten am Codarts-Konservatorium in Rotterdam. In Holland gefiel es ihm so gut, dass er dort seine Zelte aufschlug.

Im Winter 2004 wurde Novellas‘ Wunsch, wieder mit seinen Geschwistern zu musizieren, Wirklichkeit. Er ging mit ihnen in Johannesburg ins Studio und spielte sein Solodebüt „Mita Famba – Would You Go?“ ein. Ende 2005 zogen dann zwei seiner Brüder ebenfalls nach Holland, um wie er in Rotterdam Musik zu studieren. Nelson (E-Gitarre) und Isildo (Bass) sind jetzt auch am Nachfolgealbum „New Dawn – Ku Khata“ beteiligt. Dazu kamen mit Cidalia und Isabel zwei von Necos Schwestern, die als Backgroundsängerinnen mitwirkten. It’s a family affair!

Mit dem „Familienunternehmen“ im Rücken entstand das zweite Soloalbum über einen relativ langen Zeitraum. „Diese Songs sind ganz allmählich gewachsen“, stellt Novellas fest. „Sie wurden zu meinen ständigen Begleitern. Wir haben sie sorgfältig aufgebaut, Schicht um Schicht. Es ging uns um die richtige Balance von Leichtigkeit und Tiefgang. Zu einigen Songs kann man tanzen, man kann sich aber auch einfach hinsetzen und der Vielfalt der Kompositionen, Rhythmen und Akkorde nachspüren.“

„Tikona“ ist der Schlüsselsong des Albums. Er spannt einen großen Bogen von Blues über Afrojazz bis hin zu ethnischen Elementen. Gideon van Gelder steuerte zu dem Track einen Pianopart bei, aufgenommen wurde der allerdings auf der anderen Seite des Atlantik, nämlich in New York. Neco Novellas denkt gern an diese ungewöhnliche Kooperation zurück, die tausende von Kilometern überbrückte: „Obwohl wir nie über die Musik gesprochen haben, hat er von Anfang an die Seele des Songs verstanden. So global ist heute Musik.“ Ein Paradebeispiel für transatlantisches Teamwork!

Damit nicht genug der special guests: Gideons Bruder Ben van Gelder ist in „Yeke Yo“ am Saxophon zu hören, darüber hinaus tritt die brasilianische Vokalistin Lilian Vieira (Zuco 103) in einer Gastrolle auf. „Im Studio haben wir uns fantastisch verstanden“, resümiert Neco Novellas die Begegnung mit seiner Kollegin. „Wir sangen ein mosambikanisches Samba-Duett mit dem Titel ‚Vermelha‘ in unserer gemeinsamen Muttersprache, da hat es sofort ‚klick‘ gemacht.“ Die beiden erzählen hier von einem Jungen, der in den Straßen Brasiliens aufwächst und Freude am Fußballspielen hat.

„Tsanganane“, was soviel wie „Zusammengehörigkeit“ bedeutet, handelt nach Aussage von Neco Novellas davon, „wieviel Spaß es macht, gemeinsam etwas zu unternehmen. Es ist toll, wenn man seine Erlebnisse mit anderen teilen kann. Musik bringt die Menschen zusammen, vereint sie und ihre Kulturen. Unbewusst ist das wahrscheinlich der Grund dafür, dass ich Musik mache. Für mich ist es ganz logisch, mit anderen zusammenzuarbeiten, immerhin waren wir acht Kinder zu Hause.“

Obwohl Neco Novellas in den letzten Jahren viel rumgekommen ist und dabei so manches über die privaten und gesellschaftlichen Probleme seiner Mitmenschen gelernt hat, trägt er keine politische Botschaft in die Welt hinaus. Das überlässt er lieber anderen, was freilich nicht heißt, dass ihm die Geschehnisse an den Brennpunkten des Erdballs gleichgültig sind. In „Hi Rwama“ zum Beispiel geht es um die furchtbare Überschwemmung, die Mosambik im Frühjahr 2000 heimgesucht hat. „Ich habe unsere Heimat während dieser Flut erlebt“, sinniert der Mosambikaner betroffen. „Das Gebiet zwischen unserer Haustür und der Kirche, in der ich einst mit dem Singen angefangen habe, sah wie ein Kanal aus. Man konnte nicht mehr auf die andere Seite rüberkommen.“ Eine Million Menschen wurde obdachlos, die Hochwasserkatastrophe beendete innerhalb weniger Tage den wirtschaftlichen Aufschwung, den Mosambik seit Beendigung des Bürgerkriegs 1992 geschafft hatte.

In „Zuma Luei“ experimentiert Neco Novellas mit der Folkloretradition, die die Kolonialherren aus Portugal vor langer Zeit nach Mosambik gebracht haben. Deren Musik wurde mit Regionalklängen des südlichen Afrika zum so genannten Marabenta-Stil gekoppelt. Dabei handelt es sich um eine beliebte Tanzmusik, die in viele portugiesischsprachige Länder exportiert wurde. Viele Leute halten Marabenta für die typische Musik Mosambiks, Novellas besteht jedoch darauf, dass sein Heimatland musikalisch noch viel mehr zu bieten hat.

Den Albumtitel „New Dawn – Ku Khata“ (zu Deutsch: „Neuer Tag“) hat der Mann mit dem sonoren Stimmtimbre mit Bedacht gewählt: „Für mich ist das Album ein Neuanfang, und ich frage mich, was wohl die Zukunft bereithält. Jeder Tag bringt Neues, ich bin neugierig, was es wohl sein wird. Ich bin bereit dafür!“

VÖ: 23.05.08