Kasia Lins – Take My Tears

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Kasia Lins – Take My Tears

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KasiaLins (Evosound, VÖ: 23.05.2014)

Zugegeben, auf dem Weltmarkt der Popmusik spielt Polen bislang keine große Rolle. Das ist allerdings eher auf die schwer zu überwindende Sprachbarriere als auf fehlende Eignungen zurückzuführen, denn natürlich gibt es in unserem Nachbarland hervorragende Sänger und Sängerinnen. Nur, im internationalen Showgeschäft ist nun mal Englisch die vorherrschende Sprache, da hat man mit osteuropäisch klingenden Songtexten keine Chance. Das mussten schon viele Talente bitter erfahren. Die wenigen Künstler aus der Rzeczpospolita Polska, die den globalen Durchbruch geschafft haben, haben denn auch allesamt Englisch gesungen. Hierzulande wird man sich wohl am ehesten an Basia Trzetrzelewska erinnern, die Mitte der 1980er Jahre als Frontfrau von Matt Bianco und anschließend im Alleingang weit über die Grenzen der Heimat hinaus erfolgreich war.

Mit Kasia Lins tritt jetzt eine junge Nachwuchshoffnung an, die es – wenn die Welt noch sowas wie Gerechtigkeit kennt – ihrer Landsmännin Basia schon bald gleichtun wird. Die 23-jährige Polin hat in jeder Hinsicht das Zeug zur Weltkarriere: Sie begeistert auf ihrem Debüt „Take My Tears“ mit einer unwiderstehlichen Melange aus Laidback-R’n’B („Reason“), Souljazz-Eleganz („Ain’t Gonna Wait“), bläserverstärktem Funkpop („Sober“), Reggae-Anklängen („Hold On“) und Akustikfolk („Don’t Know Me“), sie schreibt emotionsgeladene englischsprachige Texte über die Licht- und Schattenseiten der Liebe, hat eine angenehm natürliche Stimme und sieht auch noch verdammt gut aus. Mit ihrem blonden Lockenkopf, den fein geschnittenen Gesichtszügen und der sportlichen Figur ist die Newcomerin ein echter Blickfang (so viel muss man schwärmen dürfen, ohne gleich als Sexist gescholten zu werden). Eine Augen- und Ohrenweide!

Kasia Lins erblickte am 1. Juni 1990 in Posen, im westlichen Teil Polens gelegen, das Licht der Welt. Mit sieben Jahren begann ihre Ausbildung am Klavier, zunächst ausschließlich im Klassiksektor. Im Teenageralter standen dann bereits die etwas schwierigeren Stücke von Chopin, Beethoven und Haydn auf dem Lehrplan. Wie es in dem Alter üblich ist, begann sich Kasia damals aber auch für Pop-, Soul- und Jazzmusik zu interessieren. Zu den Helden ihrer Jugend zählen Stevie Wonder, Whitney Houston, Prince, Erykah Badu, Lauryn Hill, Billie Holiday und Kurt Elling, sie alle haben ihre künstlerische Entwicklung stark beeinflusst.

Nach dem Schulabschluss schrieb sich Kasia am Musikkonservatorium ein und erzielte schnell Fortschritte in dessen Jazzabteilung. 2009 machte sie den nächsten großen Schritt und komponierte erste eigene Songs. Nachdem sie ihre Musik- und Textideen gründlich ausgearbeitet hatte, hielt sie diese auf einem Demotape fest, damit bewarb sie sich dann bei diversen Plattenlabels. Die Evolution Group in Hongkong machte schließlich das Rennen, dort unterschrieb die vielversprechende Künstlerin 2011 einen Vertrag mit der Aussicht auf die internationale Veröffentlichung ihrer Sound-Schöpfungen. Sobald genug erstklassige Titel zusammengekommen waren, um sich an die Aufnahme ihres Debüts heranzuwagen, reiste Kasia im Juni 2012 nach Nashville, Tennessee, wo in den renommierten Ocean Way Studios schließlich „Take My Tears“ entstand. Im Herzen von Nashvilles Music Row genoss sie die fantastische Akustik, die die zu einem riesigen Studiokomplex umgebaute gotische Kirche ganz besonders auszeichnet. Davon wurden vor ihr ja auch schon Größen wie Beck, Beyoncé, Céline Dion, Christina Aguilera, Dolly Parton, Paul Simon, Sheryl Crow und die Kings Of Leon angelockt.

Tatkräftig unterstützt wurde Kasia Lins von gefragten Sessionprofis aus der ersten Liga. So standen ihr etwa Topcracks wie Sänger Larry Braggs, Gitarrist Jerry Cortez und Saxophonist Tom Politzer (alle bekannt geworden als Mitglieder von Tower Of Power) sowie Drummer Zoro (aus der Band von Lenny Kravitz) hilfreich zur Seite. Der bis 2001 mit Alison Krauss verheiratete Gitarrist Pat Bergeson (Emmylou Harris, Bill Frisell) und Pianist/Arrangeur Nick Manson (Diana Krall, Christopher Cross, B.B. King) ließen die aufstrebende Kollegin aus Polen ebenfalls an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben.

Im Sommer 2013 erschien der Albumeinstand „Take My Tears“ zuerst in Japan und erntete dort einhellig begeisterte Reaktionen, im Herbst folgten mit ähnlichem Zuspruch weitere Länder Südostasiens, und nun sind endlich wir an der Reihe. Man muss kein Prophet sein um vorauszusagen, dass Kasia Lins mit ihrer gewinnenden Verbindung aus zauberhafter Musik, fotogenem Äußerem und sympathischer Ausstrahlung auch in unseren Breitengraden schnell Fuß fassen wird. Bei der begabten Polin stimmt einfach das Gesamtpaket und deswegen darf man wohl ohne Vermessenheit schon jetzt ihren baldigen Durchbruch im großen Stil verkünden. It’s only a matter of time.