Gaby Moreno – Still the unknown

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Gaby Moreno – Still the unknown

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GabyMoreno_StillTheUnknown (World Connection, VÖ: 03.06.2011)
Die Mitmenschen bescheinigen ihr ein angenehmes, umgängliches Naturell. Gaby Moreno käme nie auf die Idee, mit ihren Erfolgen zu prahlen, im Gespräch mit Medienvertretern tritt sie bescheiden und ein wenig schüchtern auf. Sobald sie die Alltagssphäre verlässt und hinterm Mikro steht, verwandelt sie sich jedoch in eine starke junge Frau, die sehr bestimmt von ihren Gedanken und Gefühlen, Sehnsüchten und Enttäuschungen erzählt. Selbstsicher und doch still singt sie von dem, was sie bewegt. Wegen der ungewöhnlichen Kombination aus innerer Stärke und sanfter Stimme wurde die Nachwuchskünstlerin schon mehrfach mit zwei Kolleginnen, die den Familiennamen Jones tragen, verglichen: Norah und Rickie Lee. Nicht gerade die schlechtesten Referenzen!

Auf dem Debütalbum „Still The Unknown“ interpretiert Gaby Moreno mit ihrer eleganten und biegsamen Softstimme Songs unterschiedlichster Stilherkunft. Scheinbar mühelos changiert sie zwischen bluesigem Indierock („Little Sorrow“), beatleskem Pop („It’s Been A Pleasure“), Spuren von Oldtime-Jazz („Letter To A Madman“), groovendem Funk („Greenhorne Man“), Akustikfolk („Since You Came Along“), Soul („No estoy tan mal“) und Klavierballaden (in der eigenwilligen Coverversion des Bolero-Evergreens „Amapola“). In ihrer US-Wahlheimat hat Moreno mit dieser Stilmischung und ihrem zauberhaften Gesang bereits viele Fans erobert, die Fachleute zeigen sich ebenfalls begeistert. So schwärmte etwa Ariana Morgenstern vom Radiosender KCRW: „Ihr Debüt ‚Still The Unknown‘ hat mich mit seinem organischen und unaufdringlichen Feeling überrascht. Sie singt wunderbar in Englisch und Spanisch.“ Nic Harcourt, ehemaliger Präsentator der populären Rundfunkreihe „Morning Becomes Eclectic“, schloss sich in seinem Podcast an, er lobte die Newcomerin in den höchsten Tönen. Und Eli Johnson schließlich urteilte in Citybeat euphorisch: „Die Stimme dieser Lady jagt einem Schauer über den Rücken.“
Gemessen an ihrem Alter hat die 29-jährige wirklich schon viel erreicht. 2006 gewann sie den renommierten John Lennon Songwriters Award, 2010 kamen noch der Los Angeles Women In Music Comet Award und ein Preis als Favorite American Latino Indie Artist hinzu. „Escondidos“ hat man als Maxell-Song des Jahres auserkoren, das von Gaby Moreno co-geschriebene „Parks And Recreation“ wurde für den begehrten Emmy nominiert und mehrere andere Stücke liefen im Soundtrack populärer Fernsehserien wie „Lincoln Heights“, (ABC), „Ghost Whisperer“ und „The Hills“ (MTV). Zu den weiteren Höhepunkten in der noch jungen Karriere gehören gemeinsame Tourneen mit Ani di Franco und Tracy Chapman sowie ein gefeierter Festivalauftritt im dänischen Roskilde mit Van Dyke Parks, dem genialen Texter des Beach-Boys-Meilensteins „Smile“.
In Gaby Morenos Leben spielt die Musik seit jeher eine große Rolle. Die anderen Mitglieder ihrer Familie sind nicht besonders musikalisch, sie hingegen trällerte vor sich hin, bevor sie noch sprechen konnte. „Mit zwei Jahren nahm mich meine Mom auf Partys mit“, rekapituliert sie. „Da kletterte ich dann auf einen Tisch und sagte: ‚Meine Damen und Herren, jetzt wird Gaby Moreno für sie singen!‘ Damals war ich gar nicht schüchtern. Mit fünf sang ich mal bei einem Klassiktitel mit und da fiel meiner Mutter auf, dass ich die Töne exakt traf. Daraufhin brachte sie mich zum Gesangsunterricht – und das war’s dann!“ Bereits mit sieben wurde Maria Gabriela Moreno (so der Taufname) für Festivals und Telethons im heimatlichen Guatemala engagiert, mit zehn trat sie in einem Fußballstadion im Vorprogramm von Ricky Martin auf. Als 14-jähriger Backfisch war die aufstrebende Vokalistin ganz begeistert von der Welt des Broadway, auf einer Urlaubsreise durch die USA besuchte sie mit ihren Eltern in New York City eine Vorstellung von Les Miserables. Doch dann geschah beim Aufenthalt im „Big Apple“ etwas, das den Musikgeschmack des Teenagers vom Musical weg in eine ganz andere Richtung lenkte: Als Gaby eines Tages durch die Stadt schlenderte, drang aus einem Gebrauchtwarenladen ein merkwürdiger Sound auf die Straße, den die Latina bis dahin noch nicht kannte. Wie angewurzelt blieb sie stehen und lauschte. Als sie dann eine Passantin fragte, was das für eine seltsame Musik sei, antwortete diese: „Das ist der Blues, Schätzchen.“ Gaby konnte nicht anders, sie musste unbedingt mehr über diese Stilgattung in Erfahrung bringen. „Ich ging sofort in den nächstgelegenen Plattenladen“, erinnert sie sich, „dort suchte ich nach dem Bluesregal und kaufte einen ganzen Packen CDs.“ Von da an war der Blues ihr ein und alles. Wieder zu Hause in Guatemala-Stadt studierte der Teenager alte Aufnahmen von Robert Johnson bis B.B. King und erlernte ganz nebenbei die englische Sprache: „Ich las die Songtexte und schlug alles im Wörterbuch nach. In der Schule hatten wir zwar einen Grundkurs Englisch, aber den Alben verdanke ich es, dass ich die Sprache wirklich lernen und singen wollte.“
Etwa zur gleichen Zeit bekam Moreno ihre erste Gitarre, ein billiges Modell mit Nylonsaiten, geschenkt. Sobald sie ein paar Griffe drauf hatte, begann sie mit dem Schreiben eigener Songs und träumte schon bald von einer Karriere als Musikerin. Neben dem Blues entdeckte die Guatemaltekin seinerzeit auch noch den Soul, R&B und Jazz für sich und beschloss, ihre Ausbildung im Ursprungsland all dieser Spielarten zu vertiefen. Nach dem Schulabschluss, das war 2001, zog sie mit 19 Jahren nach Los Angeles, schrieb sich dort am Musicians Institute ein und arbeitete hart daran, es als Sängerin und Songschreiberin zu schaffen. Das Debüt ist nun der erste große Schritt auf dem Weg zur weltweiten Popularität. Noch kennt man Gaby Moreno nur in den USA und Guatemala, das wird sich aber schon bald ändern. „Still The Unknown“, noch eine Unbekannte – dieser selbstironische Albumtitel ist demnächst sicher Geschichte.