Edward Simon, Scott Colley & Clarence Penn – A Master’s Diary

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Edward Simon, Scott Colley & Clarence Penn – A Master’s Diary

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SimonColleyPenn_Cover (Cam Jazz, VÖ: 17.02.2012)
Mag sein, dass er nicht so berühmt ist wie sein Landsmann Ennio Morricone, in Fachkreisen wird Fiorenzo Carpi (1918 – 1997) jedoch ebenso geschätzt und sein Œuvre als ebenbürtig eingestuft. Auch wenn der Name mittlerweile in Vergessenheit geraten ist, die Melodien des Italieners sind es gewiss nicht. Der öffentlichkeitsscheue Mailänder schrieb die Musik für unzählige Kino- und Fernsehfilme (die Auflistung in der Internet Movie Database will gar kein Ende nehmen), Starregisseure wie Louis Malle („Zazie in der Metro“), Tinto Brass („Salon Kitty“), Vittorio Gassman und Patrice Chereau haben ihn für Soundtracks verpflichtet. Zudem war er viele Jahre Hauskomponist in Giorgio Strehlers legendärem Piccolo Teatro di Milano, wo er an 130 Bühnenproduktionen mitgewirkt hat.

Einige der schönsten Beispiele aus Maestro Carpis reichhaltigem Schaffenskatalog erklingen auf „A Master’s Diary“ in betont lyrischen Jazzadaptionen. Das Edward Simon Trio bewahrt in seinen Neufassungen die erzählerische Magie der Filmthemen und streicht zugleich deren zeitlose Schönheit heraus. So ist es etwa ganz zauberhaft, wie Simon an den 88 Tasten des Flügels mit sanftem Anschlag die Sequenz „Nel parco“ aus „Maggio musicale“ hintupft. Und auch das rhythmisch frei fließende „In cerca di cibo“ aus der TV-Serie „Le avventure di Pinocchio“ (übrigens mit Gina Lollobrigida in einer Hauptrolle) präsentiert den Pianisten und seine Mitstreiter als überaus feinfühlig. Von einer anderen Seite erleben wir sie dann im flott swingenden „Valzer lento“, das Stück aus dem Kinowerk „La baraonda – Passioni popolari“ entwickelt bei aller Sensibilität einen unwiderstehlichen Drive.
Der aus dem Küstenstädtchen Punta Cardón in Venezuela stammende und seit Mitte der 1980er Jahre in den USA lebende Edward Simon hat sich den Ruf eines vielseitigen und blitzgescheiten Pianisten erworben. An der Seite von Terence Blanchard, Avishai Cohen, Brian Blade, Don Byron oder auch Herbie Mann ließ er ebenso aufhorchen wie als Leader eigener Ensembles, darunter die Gruppe Simon, Simon & Simon mit seinen Brüdern Marlon und Michael. Insbesondere seine Arbeiten im Jazztrio, aus der hochgelobte Studioalben und gefeierte Auftritte in Jazztempeln wie dem Village Vanguard erwachsen sind, trugen dem Südamerikaner höchste Meriten ein. Für „A Master’s Diary“ hat er mit Bassist Scott Colley (John Scofield, Bill Frisell, Pat Metheny) und Schlagzeuger Clarence Penn (Wynton Marsalis, Dianne Reeves) ebenfalls eine wunderbar harmonierende Triobesetzung zusammengestellt. Im Album-Opener „Eugenia’s Theme“ gesellt sich dann als Gast noch Diego Urcola an der gestopften Trompete hinzu. Über einem munter hüpfenden Beat breitet der Argentinier die eingängige Melodie aus, die im Kinostreifen „Mio Dio, come sono caduta in basso“ („Wie tief bin ich gesunken“) einst mit der Filmfigur der entzückenden Laura Antonelli verknüpft war.