Dominic Miller – Fourth Wall

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Dominic Miller – Fourth Wall

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Dominic Miller Der Gitarrist Dominic Miller ist wahrlich kein Unbekannter; selbst wer noch nicht namentlich auf ihn aufmerksam geworden ist, hat ihn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon spielen hören. Denn die Liste derer, die sich seiner ebenso kunst- wie gefühlvollen Fingerfertigkeit zwischen Ende der 80er und heute versicherten, ist lang; darunter nicht wenige Schwergewichte des internationalen Musikgeschehens. Doch dazu später mehr. Beginnen wir seine Geschichte, wie es sich gehört, am Anfang. \r\nDominic Miller wurde 1960 in Buenos Aires, Argentinien, geboren; erst 1970 zog seine Familie in die Vereinigten Staaten, nach Racine, Wisconsin. Das Gitarrenspiel zu erlernen begann er im Alter von 15 Jahren; später vervollkommnete er seine Fähigkeiten im Studium bei Sabastio Tapajos und im Rahmen eines eher kurzen Aufenthaltes an der London“s Guildhall School of Music, wo zu seinen Jahrgangsgenossen u.a. Violinist Nigel Kennedy und Mike Lindup (Level 42) zählten. Der „sehr trockene“ Umgang mit dem emotionalen Thema Musik verdross Miller jedoch bald dermaßen, dass er sich lieber der Herausforderung stellte, sein Glück als Sessionmusiker zu versuchen und so auch seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.\r\n\r\n1989 traf Miller erstmals mit dem Produzenten Hugh Padgham eine wegweisende Begegnung, denn sie führte nicht nur dazu, dass Miller bald darauf auf Phil Collins“ Blockbuster-Album „But Seriously“ mitwirkte, sondern auch auf Sting“s 1991 erschienenem Werk „The Soul Cages“. Seit dieser Zeit ist Miller ununterbrochen festes Mitglied von Sting“s working band, war bei jeder CD und jeder Tour seit “91 dabei; Sting selbst bezeichnet/e ihn als „meine rechte Hand und meine linke Hand“. Kein kleines Kompliment.\r\n\r\nDominic Polaroid Und obwohl man meinen könnte, dass dies an sich schon eine Vollzeitbeschäftigung darstellen könnte, ist Dominic Miller auch für andere Musikerkollegen einer der meistgesuchten und -gebuchten Session-Gitarristen unserer Zeit. Eine schier riesige Zahl von Aufnahmen trägt seine Handschrift, viele davon Produktionen illustrer Acts wie z.B. Level 42, Mark Hollis (Talk Talk), Julia Fordham, Paul Young, The Pretenders, Manu Katché, World Party, Chuck Loeb, Manu Dibango, Vinnie Colaiuta, The Chieftains, Tina Turner, Backstreet Boys, Khadja Nin, Youssou N“Dour, Marc Lavoine, Ronan Keating, Gabin Dabirä©, Steve Winwood, Sheryl Crow, Peter Gabriel, Rick Wright, Rod Stewart, Luciano Pavarotti, u.v.a.m.\r\nDarüber hinaus unterhält Miller eine eigene „Gelegenheitsband“ namens „The Tweeters“ mit seinen nicht minder gefragten Kollegen Pino Palladino am Bass und Manu Katché am Schlagzeug. „Ein schrecklicher Name, ich weiss“, gibt Miller amüsiert zu, „aber uns ist nichts besseres eingefallen.“ Was für die Musik des Trios keinesfalls gelten dürfte.\r\nDamit nicht genug; auch als Solist war und ist Miller keinesfalls untätig: 1995 erschien sein erstes Werk „First Touch“, 1999 folgte „Second Nature“, 2002 dann „New Dawn“ (mit Neil Stacey) und 2003 (in Deutschland 2004) „Shapes“, ein Album mit Neuinterpretationen bekannter klassischer Werke von Komponisten wie Bach, Beethoven, Elgar and Albinoni.\r\n\r\nIm Februar 2004 folgte schließlich „Third World“ eine Produktion der leisen Töne, welche die ohnehin weltumspannende Fangemeinde des Saitenvirtuosen noch einmal beträchtlich vergrößerte. Sein sanftes Spiel inspiriert Begrifflichkeiten wie Grazie, Anmut und Sinnlichkeit, nimmt einen als Zuhörer gefangen und entührt einen an Orte, die besser sind als das meiste an gegenwärtigem Hier und Jetzt. Solcherlei wundervoll gewobene Fluchtrouten bietet auch „Fourth Wall“, das wie der traditionell die Ordinalziffer einbeziehende Titel schon sagt vierte „echte“ eigene Album (Miller spielt Miller).\r\n\r\nDominic Cover Und man kann und muss eigentlich nicht viel mehr darüber sagen als: Es ist ein Traum. Miller ist ein Gitarrist aboluter Spitzengüte; das muss nicht weiter betont werden. Wie eh und je spielt er mit einer Leichtigkeit und Gewandtheit, die Beschreibungsversuchen spottet. Was ihn über die reine spielerische Perfektion hinaushebt, ist seine Fähigkeit, über seinen Fähigkeiten zu stehen. Er spielt einfach. Er hat das technische auf eine Weise transzendiert, das einzig und allein Schönheit übriggeblieben ist. Übrig bleibt. Jedes Mal, wenn man seine Musik wieder hört. Wenn die Sonne scheint. Wenn es regnet. Wenn man traurig ist. Wenn man sich liebt. Wenn man über Land fährt, oder spazieren geht; über weites Land oder aufs Meer hinaus blickt. Und, und, und. „Fourth Wall“ ist so eine Platte, an der man sich immer und immer wieder erfreuen kann. Denn Miller versteht es wie kaum ein zweiter, die (be)sinnlicheren Aspekte des Menschseins in Klang zu kleiden. Mühelos bewegt er sich zwischen Ausdrucksformen des Jazz, der Klassik, des Pop und anderer Spielweisen, webt daraus seinen ganz eigenen Stoff: Einen mild berauschenden Hochgenuss, der das Prädikat „exquisit“ auf vortrefflichste rechtfertigt.