Claus Raible Trio – Fugitive Figures (Releasedate: 31.01.2023)

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Claus Raible Trio – Fugitive Figures (Releasedate: 31.01.2023)

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Ausnahmepianist Claus Raible erstmals ausschließlich mit Eigenkompositionen

Claus Raibles Musik packt einen, spricht, Logik und Leidenschaft verbindend, alle Sinne an und macht noch den kritischsten Hörer zum Klanggenießer.

Sich einen bestimmten Stil zu verschreiben und, was heute selten vorkommt, sich konsequent an ihn zu halten, ist eine ganz besondere Herausforderung, denn das klingende Resultat wird an großen Musterbildern, den Klassikern des Genres, gemessen. Der Pianist muss weit mehr können als technisch zu brillieren und zu swingen, er muss überragende Kreativität an den Tag legen. Raible klingt als Pianist und Komponist als wäre er persönlich bei Thelonious Monk, Bud Powell, Elmo Hope oder Herbie Nichols in die Lehre gegangen. In der Tat hat er sich bei Barry Harris, einem Pianisten dieses Kreises, den letzten Schliff geben lassen.
Der Vollblutmusiker hat mit stilistischen Elementen dieser Geistesverwandten seine eigene Ausdrucksform geschmiedet mit der er wie kein zweiter deren Erbe weiterführt. Nur wer mit einem Idiom bis in jede Nuance vertraut ist wie ein Muttersprachler, kann darin jeden Gedanken, jedes Gefühl vollkommen ausdrücken. Bebop spielt Claus Raible mit Elan und Enthusiasmus, Witz und Würde, Autorität und Authentizität, unverfälscht, mitreißend, bewegend, lebendig und belebend.

Während der Pianist in Zeiten der Lockdowns seine Aktivitäten zurückschrauben musste, hatte der Komponist Raible viele Stunden Zeit sich von der Muse küssen zu lassen, Sternstunden wohlgemerkt, in denen Motive und Fragmente, die lange schon in ihm herumgeisterten, sich zu Songs formten. Mit „Fugitive Figures“ legt Claus Raible nun erstmals ein Album vor, auf dem er ausschließlich eigene Kompositionen spielt: Von den elf leaderlichen Originals ist jedes ein Prachtstück an Kreativität und Groove. Man betrachte etwa die Harmonik: In „What Love Exotique“ reharmonisiert Raible kühn die Changes zu “What Is This Thing Called Love”, das hier als Latin-Stück à la Caravan einen irren Trip durch exotische Gefilde unternimmt. Raible verwendet hier viele dissonante Akkorde, was aber dadurch, dass es eine sinnvolle Bassfortschreitung und Stimmführung in der rechten Hand gibt, einen stimmigen Verlauf ergibt. In vielen Stücken stecken Allusionen, weniger erkennbare Allerweltszitate als versteckte Ostereier, die dem Kenner der Jazzhistorie Vergnügen bereiten werden wie ein Detektivspiel.
Hut ab vor Raibles Fähigkeit mit Hörererwartungen zu spielen. In „Fugitive Figures“ scheint er zunächst bekannte Motive wie z.B. Monks „Little Rootie Tootie“ zu zitieren, aber doch nur kürzelhaft und verfremdet. In den Soli entpuppt sich das Stück nur scheinbar als Blues. In Wirklichkeit steigen die vermeintlichen Blues-Chorusse in der Mitte immer um eine kleine Terz in die Höhe.
Seine Kunst „unerhörte“ Voicings zu verwenden lässt aufhorchen: In „Blamelessly“, einem Stück, das den Standard „Don’t Blame Me“ zu einem seltsamen Klanggebilde paraphrasiert, scheinen etwa im Mittelteil immer wieder Glocken in gespenstischer Verzerrung zu ertönen.

In früheren Produktionen engagierte Claus Raible oft berühmte Schlagezuger wie Ed Thigpen, Ben Dixon und Alvin Queen. Da aber auch das Bedürfnis groß war vor Ort immer mit einem erstklassigen Drummer zusammenzuarbeiten, ist es ein Glücksfall, dass er auf den dynamischen, präzisen und hellhörigen Schlagzeuger Xaver Hellmeier traf. Mit dem Ausnahmebassisten Giorgos Antoniou, mit dem Raible bald 20 Jahre fast schon gedankenleserisch verbunden ist und Hellmeier, der mit seinem an Größen wie Max Roach, Kenny Clarke und Art Taylor geschulten Spiel ein kongenialer Spielgefährte für Raible geworden ist, entstand eine Gruppe, in der jeder die gleiche musikalische Sprache spricht.

Die vollkommene Musikalität, die das Trio an den Tag legt, basiert auf der Tatsache, dass jedes Mitglied nicht nur seine persönlichen Fähigkeiten entfaltet, sondern auch Teil eines lebendigen, produktiven musikalischen Organismus ist, der dem Zuhörer unendliche Freude bietet.

Marcus A. Woelfle (Bayerischer Rundfunk)

 

Claus Raible piano
Giorgos Antoniou double bass
Xaver Hellmeier drums

 

Kommende Termine, 2023:

– 31.1. Bird‘s Eye, Basel, CH
– 1.2. Bird‘s Eye, Basel, CH
– 3.2. Künstlerwerkstatt Pfaffenhofen, D
– 4.2. Kunsthaus, Interlaken, CH
– 10.2. Royal Garden Jazz Club, Graz, A
– 17.2. Jazztone, Lörrach D
– 18.2. Jazzkeller, Frankfurt, D
– 22.9. Stadthalle Germering, D
– 30.9. Birdland, Neuburg, D

http://www.clausraible.com/