Chano Dominguez – Acércate Más

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Chano Dominguez – Acércate Más

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cover_web_acercate.jpgDem spanischen Pianisten Chano Dominguez, im März 1960 in Cádiz geboren, wurde die Leidenschaft für Musik vom flamenco-begeisterten Vater in die Wiege gelegt. Im zarten Alter von 8 nannte der Filius erstmals eine Flamencogitarre sein eigen; Papa’s LP-Sammlung lieferte genug Repertoire zum Nachspielen und bald spielte Chano erstmals öffentlich — vor den Kindern aus der Nachbarschaft. Mit 13 Jahren entdeckte er als Chorknabe dann die Welt der Tasteninstrumente in Form einer alten Orgel in seiner Pfarrkirche, auf welcher er heimlich die Register zog. Schon bald folgten die ersten Klavierstunden, und als Teenager war Chano bereits in einigen Rock- und Folkbands aktiv. Mit 18 formierte er seine erste eigene Gruppe, mit Namen ‚CAI‘, die später 3 Alben für (die damals noch existente) CBS Spanien einspielte und als Pionierband des „Andalusian Rock“ gefeiert wurde.

Doch schon mit 21 war dieses Kapitel für den jungen Musiker bereits wieder abgeschlossen; CAI löste sich auf – und Chano hatte erstmal genug vom Rock. Vielmehr hatte der Jazz begonnen, sein Interesse zu wecken. So folgte ein Jahrzehnt der Suche und der Schulung, in dem Chano nicht nur seine Fertigkeiten schliff, sondern auch mit diversen Bands spielte – darunter die inzwischen legendäre Formation Hiscádix  – und kreuz und quer durch Europa reiste. Während dieser Zeit knüpfte er ausserdem fruchtbare Kontakte zu Grössen wie Joe Henderson, Kenny Werner u.a. und erwarb mehrere Auszeichungen.
 
1992 gründete er schliesslich ein Trio unter eigenem Namen (mit Javier Colina und Guillermo McGill); gemeinsam schuf man den Stil, der heute gemeinhin unter dem Etikett „Flamenco-Jazz“ bzw. „Andalusian Jazz“ fast schon ein eigenes SubGenre darstellt; traditionelle Rhythmen wie alegrías, soleás oder bulerías begegne(te)n hier(in) den Stilmitteln des Jazz in schönster Form.
Der endgültige Durchbruch kam für Chano Dominguez Ende der 90er mit seinem Album „Hecho A Mano“ (zu deutsch: handgemacht), welches weltweit für Begeisterungsstürme bei Presse und Publikum sorgte; u.a. erhielt das Werk hierzulande auch den ‚Preis der deutschen Schallplattenkritik‘. Spätestens seit dieser höchst erfolgreichen Produktion zählt Chano Dominguez zu den bedeutendsten Jazzmusikern Europas. Kurz nach dem Erfolg von „Hecho A Mano“ legte er mit „En Directo“ ein atemberaubendes Live-Doppel-Album nach; seither erfreut Dominguez die Fans seiner Musik nicht nur mit weiteren Veröffentlichungen in quasi jährlichem Rhythmus, sondern ist quasi ununterbrochen unterwegs für diverseste Projekte. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er nicht nur mit erstklassigen spanischen Musikerkollegen wie dem Kontrabassisten Javier Colina, dem Saxofonisten Jorge Pardo oder dem Flamencostar Tomatito zusammen, sondern auch mit internationalen führenden Akteuren wie z.B. Hermeto Pascoal, Philipe Catherine, Herbie Hancock, u.v.a.
 
Auf Acércate Maspräsentiert er sich nun im Quartett mit Bassist George Mraz (bass), der schon auf dem wunderbaren Vorgängerwerk „Con Alma“ mit von der Partie war, Angá Diaz an den Percussions und Ur-Kollege Guillermo McGill an den  Drums. Eine grandiose Besetzung, die ein grandiose Jazz-Platte liefert wie sie sich leicht lieben lässt: entspannt und souverän, einmal mehr typisch für den Chano Dominguez der letzten Jahre, der eine Musik zelebriert, die verführt wie eine Dame von Welt; elegant und edel, unaufdringlich und dezent, genussvoll und leise. Gelegentlich kapriziös. Und natürlich ebenso schön wie gepflegt. Klasse.
Als Anspieltip keinesfalls Track #4 versäumen: „Cuando Vuelva A Tu Lado“ dürfte den meisten Ohren vor allem als „What A Difference A Day Makes“ bekannt sein – entweder im Original von Dinah Washington oder der unsterblichen Disco-Fassung von Esther Phillips; Jazz- und Latin Liebhaber kennen den Titel womöglich auch in Versionen von Gato Barbieri, Xavier Cugat oder Paquito diRivera. Die vorliegende Einspielung des Chano Dominguez Quartets auf „Acértate Mas“ ist eines der vielen Glanzlichter auf diesem Schmuckstück von einem Album, das eine sichere Empfehlung für jeden Freund von kunstvollem Jazz mit Piano im Zentrum ist.

 VÖ: 01.12.2006